Tagesausflüge ab Florenz – ganz ohne Auto

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Dass ich mich nun zum wiederholten Mal direkt in Florenz einquartierte und die Stadt als meinen Ausgangspunkt für meinen Toskanaaufenthalt nutzte, hat neben meiner nostalgischen Liebe für Florenz auch noch einen ganz praktischen Grund: Wer Florenz nur einen Tagesausflug widmet, wird v.a. die Hauptsehenswürdigkeiten abarbeiten und eine völlig überlaufene Stadt mit überall Schlange stehenden Touristen in Erinnerung behalten. Ein mehrtägiger Aufenthalt, bietet doch noch einen etwas tieferen Einblick in das „echte“ Florenz – so weit man das in ein paar Tagen eben entdecken kann – und lässt dem Besucher Zeit für die Sehenswürdigkeiten abseits der Touristenströme.

Zudem eignet sich Florenz gerade für diejenigen, die wie ich ohne Auto reisen, sehr gut als Ausgangspunkt für diverse Tagesausflüge, denn die öffentlichen Verbindungen sind sehr gut.

In diesem Artikel möchte ich euch deshalb einige Anregungen und Organisationshilfen für Tagesausflüge ab Florenz geben.


Ein allgemeiner Hinweis: Die Angaben zu den öffentlichen Verbindungen befinden sich auf dem Stand von April 2017. Wie in Deutschland auch, so wechselt auch in Italien immer wieder einmal der Fahrplan. Es ist also dringend anzuraten, vor Antritt der Reise die Fahrtzeiten zu überprüfen und sich auch über die letzten Rückfahrtmöglichkeiten schlau zu machen. Das könnt ihr natürlich am besten bei trenitalia.

Pisa

Pisa

Was gibt’s zu sehen?
Berühmt ist die Stadt in der ganzen Welt für den „Schiefen Turm“. Der schiefe Turm ist tatsächlich schief – und zwar sehr schief – aber er ist nur ein kleiner Teil einer großen Anlage auf der Piazza dei Miracoli, dem „Platz der Wunder“.
Angelegt auf dem Höhepunkt der Pisanischen Macht, findet man hier herausragende Architektur auf kleinem Raum: Das Baptisterium (die größte Taufkirche der Christenheit), den Dom, den Campanile (eben den berühmten schiefen Turm) und den Campo Santo.
Ansonsten ist Pisa ein ruhiges Städtchen, das abseits von der Pizza dei Miracoli vom Tourismus ziemlich verschont blieb. Was wohl auch daran liegt, dass es sonst nicht sooo viel zu sehen gibt.

Wie kommt man hin?
Von Florenz aus fahren zahlreiche Züge nach Pisa. Wenn man in erster Linie den Domplatz besuchen möchte, sollte man darauf achten, nicht nach Pisa Centrale (zum Hauptbahnhof) zu fahren, sondern nach Pisa San Rossore, einem Nebenbahnhof, der nur wenige Gehminuten von Dom und Schiefem Turm entfernt liegt.
Bei den meisten Zügen (die um xx.28 Uhr in Florenz starten) muss man in Pisa Centrale umsteigen, um nach Pisa San Rossore zu gelangen. Um 9.53 und um 10.53 Uhr fahren durchgehende Züge von Florenz ab.

Tipp:
Lucca liegt nur etwa 20 Zugminuten von Pisa entfernt und ein Ausflug nach Lucca lässt sich gut mit einem Besuch der Piazza dei Miracoli verbinden.
Die Züge fahren nicht komplett regelmäßig, aber zwischen 12 und 16 Uhr immer gegen xx.25 (+/- ein paar Minuten) und xx.50 (+/- ein paar Minuten).

 Lesetipps:
Wer bei seinem Tagesausflug nach Pisa unbedingt den schiefen Turm besteigen möchte, findet bei Christina von Trip to the Planet nützliche Hinweise, wie das am unkompliziertesten geht.
Marc von Reisezoom erfüllte sich mit dem Besuch des schiefen Turmes einen lange gehegten Traum – und brachte einige tolle Bilder mit!

Lucca

Lucca Ausblick Piazza Anfiteatro

Was gibt’s zu sehen?
Lucca ist die einzige Stadt der Toskana, die von den Medici unabhängig blieb, was wohl auch an der beeindruckenden, bis heute erhaltenen Stadtbefestigung lag, auf der man heute die Altstadt zu Fuß oder mit dem Fahrrad umrunden kann.
In der Altstadt findet man einige imposante Kirchen – zum Beispiel den Dom San Martino mit dem im Mittelalter weitberühmten und in Lucca heute noch sehr verehrten Gnadenbild des Volto Santo – eine Piazza, die auf den Grundmauern eines römischen Amphitheaters erbaut wurde und einen tollen Aussichtsturm mitten in der Stadt.

Wie kommt man hin?
Immer um xx.10 (mit Ausnahme von 11.10 Uhr), außerdem ab 11.38 Uhr auch um xx.38 Uhr, fährt von Florenz Santa Maria Novella ein durchgehender Zug nach Lucca, der etwa 80min braucht.
Obendrein lässt sich Lucca gut mit Pisa kombinieren. Von Pisa San Rossore (siehe oben) gelangt man in 22min nach Lucca. Die Züge fahren nicht komplett regelmäßig, aber zwischen 12 und 16 Uhr immer gegen xx.25 (+/- ein paar Minuten) und xx.50 (+/- ein paar Minuten).

Tipps:
Unbedingt auf den Torre Guinigi steigen, von wo man eine herrliche Aussicht über die Altstadt hat. Und am Abend einen Aperitivo auf der Stadtmauer oder der Piazza dell’Anfiteatro nehmen. Mehr Informationen über meinen Ausflug nach Lucca inkl. Lokaltipps findet ihr hier.

Siena

Siena

Was gibt’s zu sehen?
Eigentlich viel zu viel für einen Tagesausflug. Siena ist eine tolle Stadt, deren Stadtbild sich seit dem Mittelalter – nach dem Ende seiner reichen, mächtigen Zeit – nicht mehr wirklich verändert hat. Das hat den großen Vorteil, dass die Stadt heute eine Art „Freilichtmuseum der italienischen Gotik“ ist.
Sehenswert ist nicht nur die Kirche San Domenico, wo das Haupt der Heiligen Katharina von Siena zu sehen und zu verehren ist, und die Casa Santa Katherina, wo die Heilige geboren und aufgewachsen ist. Besonders sehenswert sind der Dom mit seinen prachtvollen Bodenmosaiken und charakteristischen Streifendekorationen und die Piazza del Campo, ein riesiger muschelförmiger Platz, wo im Sommer auch zwei Mal der Palio, das berühmte Pferderennen, stattfindet.

Wie kommt man hin?
Von Florenz aus fährt immer um xx.10 und xx.28 Uhr (außer um 9.28 und 10.28) ein Zug nach Siena. Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden.

Lesetipp:
Auf ihrer Toskana-Reise war Christine von Christine unterwegs auch einen Tag in Siena.
Viele tolle Siena-Tipps gibt es auch bei Mela von Individualicious, die in Siena mehrere Monate verbracht hat.

Cinque Terre

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Monterosso al Mare, der nördlichste Ort der Cinque Terre. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von C. Ulbrich

Was gibt’s zu sehen?
Cinque Terre ist benannt nach den fünf malerischen Orten Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore, von denen vier direkt am Meer liegen. Der Naturpark ist berühmt für seine Naturschönheit – aufgrund einer Bergkette, die sich eng am Meer entlang zieht und steil hinab abfällt. Die fünf Orte liegen jeweils in einem Tal. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die meisten Besucher eben Tagesgäste sind – abends kehrt wieder Ruhe ein. Wer also Zeit hat, kann auch überlegen, über Nacht zu bleiben.
Ich muss dabei gestehen, dass ich selbst noch nicht in Cinque Terre war, aber ein Freund, mit dem ich in Florenz war, hatte Sehnsucht nach Meer und unternahm deshalb einen Tagesausflug nach Cinque Terre. Von ihm stammt auch das Foto.

Wie kommt man hin?
Von Florenz aus kann man etwa alle zwei Stunden direkt nach La Spezia fahren (um 7.38, 9.53 und 11.53) oder stündlich mit Umstieg in Pisa Centrale (immer um xx.28 Uhr – außer um 9.28 Uhr). Die Fahrt dauert etwa 2,5 Stunden.
Ab La Spezia verkehrt dann der Cinque Terre Express bis Monterosso, der alle 30min fährt (xx.25 und xx.55). Dazwischen verkehren mitunter auch um xx.15 andere Regionalzüge. Die Fahrt von La Spezia bis zum nördlichsten Ort Monterosso dauert etwa 22min.

Lesetipps:
Wanderfreunde haben in Cinque Terre ihre wahre Freude – Anja von „Das Fliegende Klassenzimmer“ ist mit ihrer Tochter in dort gewandert. Ihre Berichte könnt ihr hier und hier nachlesen.
Auch Oliver vom Weltreiseforum berichtet über die fünf Orte der Cinque Terre.

Bologna

bologna

rote Arkaden – charakteristisch für Bologna. Bild mit freundicher Genehmigung von Zypresseunterwegs.de

Was gibt’s zu sehen?
Bologna – rot, gelehrt und fett. So nennt man diese Stadt. Den Beinamen „die Rote“ verdankt sie – neben der politischen Ausrichtung – der roten Farbe, die das Stadtbild dominiert. „Die Gelehrte“ nannte man sie wegen ihrer Universität, der ältesten in Europa. Und „die Fette“ nannte man sie schließlich wegen ihrer weithin berühmten Küche. So stammen die Tortellini aus Bologna – und natürlich auch die weltberühmte Bolognese Sauce, die man in Bologna auf den Speisekarten allerdings kaum finden wird. Dort nennt man das Gericht „Ragù“ und isst es nicht mit Spaghetti.
Neben der roten Farbe prägen Arkaden das Bild der Stadt. Häuser wurden bei Knappwerden des Wohnraumes ab dem ersten Obergeschoss erweitert. Unten musste man Platz lassen – so entstanden die Arkaden, die heute bei plötzlichen Regenschauern ein Bummeln im Trockenen weiterhin ermöglichen.

Wie kommt man hin?
Mit dem Schnellzug „Freccia“ geht es mehrmals die Stunde in etwa 35min von Florenz nach Bologna. Der günstigere Regionalzug braucht etwa 90min.

Tipp:
Essen gehen gehört in einer Stadt wie Bologna natürlich dazu! Ich gestehe, dass ich annodazumal bei meinem Besuch in Bologna finanziell nicht wirklich in der Lage war, die Feinschmeckerstadt Bologna so zu würdigen, wie sie es verdient hätte. Aber Bologna zu verlassen, ohne zumindest Pasta al Ragù zu probieren, war auch mir natürlich nicht möglich.

Lesetipp:
Bei Ulrike von Zypress Unterwegs findet ihr viele Anregungen für euren Besuch in Bologna.
Einen Bericht über einen kulinarischen Kurztrip nach Bologna gibt es bei Angelika von genussfreudig.at

San Giovanni Valdarno und Reggello

Tipp von Barbara von Valdaro356.de

San Giovanni Valdarno

San Giovanni Valdarno – mit freundlicher Genehmigung von Barbara Mars von Valdarno365.de

Was gibt’s zu sehen?
Wer in Florenz die Brancacci Kappelle angesehen hat und darin Masaccios Freskenzyklus, könnte mit dem Zug nach San Giovanni Valdarno fahren, dem Geburtstort Masaccios (ca. 30 min von Florenz SMN). Die Stadt ist von Arnolfo di Cambio konzipiert nach Vorbild eines römischen Castrums. Schön ist die Casa Masaccio (falls offen) mit Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und das Museo della Basilica mit einer Annunciazione von Beato Angelico – eine sehenswerte kleine Stadt.

Von dort gehts mit Bus nach Reggello, wo im Museo Masaccio das allererste Werk des kaum 20jährigen hängt: ein Tryptichon, bei dem er zum allerersten Mal die Perspektive angedeutet hat.
Keine 100m vom Museum entfernt kann man sich E-Bikes mieten und damit die wunderschöne Setteponti Panoramastrasse entlangradeln und die angrenzenden Dörfer entdecken.

Wie kommt man hin?
Nach S. Giovanni Valdarno sind es – je nach gewähltem Zug – zwischen 30 und 50min von Florenz aus. Der Zug verkehrt mindestens einmal in der Stunde (normalerweise irgendwann zwischen xx.15 und xx.22) sowie noch zusätzlich ein zweites Mal in der Stunde, leider nicht zu regelmäßigen Zeiten, so dass es nötig ist, vorher die Zeiten genau abzuklären.
Nach Reggello verkehren einige Linien (z.T. auch direkt von Florenz, z.T. von S. Giovanni Valdarno mit Umsteigen in Figline) von Autolinee Chianti Valdarno. Die Fahrpläne findet man hier.

Tipps:
Lokaltipps für einen Aperitivo in San Giovanni bzw. Reggello findet ihr hier.

Lesetipp:
Mehr über die E-Bike-Tour findet ihr bei Barbara von Valdaro356.de.
Informationen über die Museen in San Giovanni gibt es ebenfalls bei Barbara.


Ihr habt noch mehr Tipps für Tagesausflüge ab Florenz? Dann rein damit in die Kommentare! Gerne mit Links!

Noch ein Hotel in Florenz gesucht? Schaut mal hier vorbei. Wir selbst wohnten im B&B Il Bargello, mitten im Herzen von Florenz.*


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9 Gedanken zu “Tagesausflüge ab Florenz – ganz ohne Auto

  1. siena steht definitiv auch weit oben auf meiner reiseliste und: man kann von florenz aus direkt nach cinque terre fahren? sowas aber auch, das wusste ich gar nicht! achje, es steht doch bald mal wieder eine toskanareise an ❤

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    • Ja, ich hätte es nicht gemacht, weil es halt doch 2,5 Stunden Fahrt sind und ich dann doch lieber noch in Florenz rumbummeln wollte, aber meine Begleitung wollte unbedingt ans Meer und fuhr deshalb alleine nach Cinque Terre. Möglich ist es auf jeden Fall und er hats auch nicht bereut. 🙂

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  2. Hallo Ilona,
    ein sehr schöne Zusammenstellung. Lucca und Siena kenne ich noch nicht. Das Bild von Lucca ist klasse, ich behalte das mal auf dem Schirm. Vielen Dank auch fürs Verlinken 🙂
    Liebe Grüße
    Christina

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    • Danke Dir! 🙂 Lucca ist wirklich toll. Schau mal meinen letzten Artikel an, der war über Lucca. Da gabs noch mehr Bilder von diesem tollen Aussichtsturm. *hach*

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    • Da hast du recht. der ist WIRKLICH beeindruckend! Nach San Gimignano wären wir auch gerne noch. Da war ich – wie in Lucca – seit 2002 nicht mehr. Aber irgendwie dachte ich dann: Lieber nicht zu viel reinstopfen und sich dafür mehr Zeit lassen. San Gimignano steht also noch immer aus. Ich erinnere mich – neben den Türmen natürlich – v.a. an das gute Eis 😀

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  3. Pingback: Essen, Trinken und Wohnen in Florenz – Restaurant- und Hoteltipps | wandernd

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