Ist Catania trotzdem eine Reise wert? – Gastartikel von Janine

Ich finde es unglaublich, dass ich es schaffe, mit manchen meiner Artikel andere Blogger zu inspirieren, die Reiseziele aufzusuchen, die ich beschrieben habe.
Dass Barbara vom Blog er.lesen.e Jahreszeiten durch meinen Artikel zum Urlaub im Kloster inspiriert wurde, kann ich nachvollziehen. 
Janine aber wollte nun unbedingt einen Ort sehen, an dem ich so gar kein gutes Haar gelassen habe!
Warum und wie sie den Ort erlebt hat, das erzählt sie uns in diesem Gastartikel:

Sizilien Catania2

Ist Catania doch eine Reise wert?

Im Zuge von Janines Blogparade über Reiseflops habe ich vom einzigen Aufenthalt erzählt, den ich als Reiseflop verbuchen würde: Catania auf Sizilien.
Wir waren damals als Studenten mit einer Uni-Exkursion auf Sizilien unterwegs und dachten, ein paar Tage im Abflugsort Catania anzuhängen, sei eine gute Idee.

Catania ist nicht wirklich hässlich, aber auch nicht besonders schön und besonders viel zu sehen gab es auch nicht. Die Ausflüge zum vom Hostel-Personal empfohlenen Strand waren eher abenteuerlich und alles in allem war die Stadt ziemlich dreckig und die Geruchsbelästigung durch den Fisch- und Fleischmarkt nicht zu unterschätzen.
Das alles habe ich genauer ausgeschmückt im Beitrag zur Reiseflop-Blogparade und damit Janine offenbar neugierig gemacht. Sie wollte nun unbedingt die Stadt sehen, in der es nicht viel zu sehen, aber umso mehr zu riechen gab.

Aber lest selbst, wie sie Catania erlebt hat – vorher solltet ihr aber vielleicht doch noch einmal meinen Beitrag lesen, damit ihr wisst, worauf Janine sich bezieht.

Warum nach Catania?

Sowas gab’s bei mir auf Reisen noch nie: Ich freute mich tatsächlich auf eine Stadt, von der ich vorab nichts Gutes gehört habe. Ja mehr noch: Ich war irgendwie ein wenig sensationsgeil…

Nachdem Ilona die sizilianische Stadt Catania vor einigen Monaten zu einen Reiseflop erklärt hatte, konnte ich es gar nicht erwarten, das zu überprüfen. Und so trafen Catania und ich an einem windigen Novembertag aufeinander.
Aber stopp mal: Wäre es nicht klüger so eine Stadt von vornherein auszulassen und sich in der ohnehin kurzen Woche lieber den Schönheiten des Landes zu widmen? Vielleicht. Aber es gab 2 Dinge die dagegen sprachen:

  1. Eine Freundin von mir, behauptete Catania wäre doch eigentlich schön.
  2. Ich wollte zwingend einen Gegenbeweis liefern. Ja…der Ehrgeiz hatte mich irgendwie gepackt. Ich wollte Ilona irgendwas liefern, um ihr zu beweisen, das Catania gar nicht so übel ist. Keine Ahnung warum, denn es verband mich ja vorab gar nichts mit dieser Stadt.

Egal. Zwei Tage hielten wir uns in Catania auf und Ilonas kleiner Einschub in ihrem Beitrag „An sich ist Catania auch nicht hässlich“ machte mir Mut, die Tage nicht vollends zu bereuen.

Sightseeing in der Stadt

Der Start in Catania war zunächst etwas holprig, was nicht nur am besagten windigen Novembertag lag. Viel mehr lag unser B&B in einer eher fragwürdigen Gegend der Stadt. Allein schon der Umstand, dass unser Zimmer letztlich durch 4 Türen gesichert war (Haustür, Gittertür zur Dachterrasse, auf der sich das Apartment befand, Haustür zum Apartment, Zimmertür) lies Catania nicht unbedingt einladend wirken. Da ich aber in Berlin wohne und dadurch einiges gewohnt bin, nahm ich das einfach mal so hin.

Von unserem komischen Viertel bis hin zur Vorzeigegegend Catanias waren es knapp 15 Gehminuten. Genug um einen ersten Eindruck der Stadt abseits der Souvenirshops und Touristenrestaurants zu erhalten. Was ich sah, war mir aus anderen Städten Siziliens nicht ganz fremd: Hausfassaden, die vor sich hinmoderten, hübsche und weniger hübsche Graffitis und viele Grau und Brauntöne. Aber genau das fand ich auch schon in Agrigento sehr charismatisch. Noch, liebe Ilona, konnte ich dir also nicht zu stimmen.

so hab ich Catania auch noch in Erinnerung...

so hab ich Catania auch noch in Erinnerung…

Dann gelangten wir an den Platz der Plätze, der Piazza Duomo. Der Platz, zu dem in Prinzip alle Wege in Catania führen (so zumindest mein Gefühl). Der Platz, an dem sich so gut wie alle Sehenswürdigkeiten zentrieren:

  • Liotro, der Elefantenbrunnen
  • Acqua a linzolu, der schön beleuchtete Brunnen
  • Il Duomo di Catania, der Dom
  • Palazzo degli Elefanti, oder besser: Das Rathaus

Von diesem Platz, der sich auf jeden Fall herzeigen lässt, gehen verschiedene Straßen ab. Die größte ist die Via Etnea, benannt nach dem Vulkan Ätna. Hier tummeln sich hunderte von Geschäfte. Für mich im Urlaub eher weniger relevant, aber für Shoppingbegeisterte durchaus empfehlenswert. Da sich aber wirklich alte Häuserfassaden an beiden Straßenseiten bestaunen lassen, lohnt es sich die Via Etnea wenigstens einmal abzulaufen.

Catanias Straßen wurden übrigens aus Lavastein gefertigt. Nach dem die Stadt durch den Ausbruch des Ätna in den letzten Jahrhunderten bereits mehrfach zerstört worden ist, nutzte man das Material was der Vulkan noch übrig gelassen bzw. erschaffen hatte, zum Neubau. Durch das schwarze Lavagestein, mag die Stadt ein wenig schwermütig wirken. Mir hat es aber gut gefallen.

Nun. Wir haben also jetzt den Piazza Duomo gesehen, die Via Etnea und ein paar Seitengassen. Wie wäre es nun mit dem Meer? Immerhin ist Catania eine Hafenstadt. Der Zugang zum Wasser ist von der Innenstadt Catanias auf dem ersten Blick nicht so einfach – aber machbar. Dafür muss man allerdings der Hauptstraße eine ganze Weile folgen. Dort findet man den Yachthafen „Tortuga“ und damit auch die Möglichkeit, dem Wasser etwas näher zu kommen. Wirklich ideal ist das für eine Hafenstadt aber meiner Meinung nach nicht. Kein Wunder, dass Ilona es damals so schwer hatte irgendwo einen guten Strand zu finden. Am Wasser rund um Catania türmt sich nämlich das Lavagestein. Feinen Sandstrand findet man nicht.

Der Fischmarkt

Vielleicht dann doch mal den Fischmarkt besuchen? Wir taten dies an einem Samstag. Dann findet man allerdings keinen reinen Fischmarkt mehr vor, sondern einen riesigen Allerlei-Basar. Unsere Freunde, die früher schon einmal auf dem Fischmarkt waren, bestätigten zumindest Ilonas Eindrücke: Auf dem „normalen“ Fischmarkt riecht es gerade im Sommer nicht wirklich gut.

so sieht er also heute aus - der berüchtigte Fischmarkt

so sieht er also heute aus – der berüchtigte Fischmarkt

Nun war unser Markt vielseitiger und auch die Temperaturen angenehm – von Hitze keine Spur, von Gestank daher auch nicht. Interessant war es schon über den Markt zu laufen, aber an den Ständen verkaufte man hauptsächlich (asiatischen, unbrauchbaren) Tüneff und damit kam das südländische Marktgefühl lediglich beim Oliven-, Pistazien und Salamihändler auf. Weshalb wir auch allen dreien etwas abkauften. 🙂

Mit dem Marktbesuch war bereits Tag 2 in Catania angebrochen. Was gab es nun noch zu tun und zu sehen? Ehrlich gesagt nicht mehr viel. Also spazierten wir zurück zum Piazza Duomo und gönnten uns ein sizilianische Spezialität: Granita. (Gefrorene Süßspeise mit einer sorbetähnlichen Konsistenz.)

Ausflug nach Aci Trezza und Aci Castello

Ich schaute in Tripadvisor, ob das wirklich alles gewesen sein könnte in Catania. Irgendwie müsste man den Tag doch noch rumkriegen können. Und siehe da – liebe Ilona, hier mein persönlicher Tipp für dich und alle Leser – die Antwort lautete: Aci Castello und Aci Trezza.

Die Burg Aci Castello zu besuchen lohnt sich allein aus 3 Gründen:

  • Erstens man gelangt endlich ans Meer.
  • Zweitens: Die Ausblicke sind super schön.
  • Drittens: Drum herum gesellt sich eine süße kleine Stadt, mit gemütlichen Cafés und Restaurants

HundDas Aci Castello erreicht man entweder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Linie 534) oder mit den Hop On-Hop off-Bus. Da der Tag schon recht weit fortgeschritten war und wir nicht noch groß Erkundigen zu Haltestellen, Buszeiten und Tickets machen wollten, machten wir es uns diesmal einfach und nutzen den Hop-on Hop-off Bus. (Achtung: Es gibt zwei. Einer fährt nur durch die Stadt. Der andere verlässt Catania und fährt entlang der Küste bis zum Aci Castello. Also genau auf die Tourmap schauen!). Aufgrund der Uhrzeit und der Nebensaison, hatten wir den Bus für uns allein. (Stimmt nicht ganz. Mitten auf den Straßen Catanias bellte ein Hund den Bus an. Der Fahrer öffnete die Tür, der Hund stieg ein und machte es sich bequem.)

Der Bus der jede Stunde fährt, bietet die Möglichkeit, an den einzelnen Stationen auszusteigen und im nächsten Bus wieder dazu zu steigen. Weil es bei uns schon recht spät war, gab es keinen Folgebus mehr und die Möglichkeit eines längeren Aufenthaltes schied leider aus. Dafür gab uns der Busfahrer aber ausreichend Zeit Aussicht und Küstenluft zu genießen, bevor sich die Tour fortsetzte.

Letzter Stopp auf der Tour (die Route könnt ihr hier online sehen) ist übrigens nicht das Aci Castello sondern der Ort Aci Trezza. Hier kann man im Meer Lachea – die Hauptinsel der Zyklopen – bewundern. Zudem ist die Atmosphäre in dem ehemaligen Fischerdorf wirklich schön und er gilt als ein beliebter Ausflugsort unter den Einwohnern Catanias. Auch hier gibt es kleine Restaurants und Cafés. Viele davon mit Ausblick aufs Meer.

Aci Trezza - Lachea

Aci Trezza – Lachea

Die Tour dauerte rund eineinhalb Stunden (wovon man die meiste Zeit an der schönen Küste entlang fährt) und war für uns definitiv der Höhepunkt in Catania. Denn auch wenn die Stadt nicht wirklich hässlich ist, eine Perle ist sie auch nicht. Nächstes Mal würden wir uns daher eher eine Unterkunft in Aci Trezza buchen und die gemütliche Atmosphäre dort genießen.

Wer also nur 1 Tag in Catania bleibt, wird alles richtig machen!


JanineVielen Dank an Janine, dass sie ihre Erlebnisse in Catania in einem Gastartikel geteilt hat.

Finding Hummingbirds“ – also „Kolibris entdecken“ heißt Janines Blog, dessen Name von ihrer Costa Rica-Reise inspiriert wurde.
Trotz exotischem Namen geht es nicht nur um Fernreisen, sondern auch immer wieder um wunderschöne Reiseziele innerhalb Europas (v.a. zu Irland, wo Janine ein Jahr verbracht hat) oder, unter dem Stichwort „Heimatliebe„, innerhalb Deutschlands.



Alles in allem kann man aber sagen, dass sie meine Einschätzung zu Catania im Großen und Ganzen teilt: Viel zu sehen gibt es nicht.

Aber ich glaube, es ist auch normal, dass man eine Stadt weniger „schlimm“ findet, wenn man mit sehr negativen Bildern im Kopf hinfährt und sowieso schon das Schlimmste erwartet. Aber gut zu wissen, dass der Markt inzwischen weniger geruchsintensiv ist 😉
Nachdem ich Janines Text gelesen hatte, wurde ich neugierig und machte ein paar Google-Maps-Ausflüge durch Catania und Aci Trezza. Inzwischen glaube ich, dass dies einer der Tipps des Hostel Personals war. Ich weiß es zwar nicht mehr zu 100%, bin aber mittlerweise ziemlich sicher, denn wir fuhren eine gefühlte Ewigkeit mit dem Bus in einen Ort mit Fischerhafen, wo ich mit meinen rudimentären Italienischkenntnissen alte Männer vor einem Café nach einer Bademöglichkeit fragte. „Qui? – Hier? – Noooo… non c`è. – Nein, gibt’s nicht.“ Dass es dort immerhin netter aussah, als in Catania, ist aber wahr 😀

Ebenso neugierig war ich übrigens noch einmal in Bezug auf die Marktgegend. Die Bilder auf Google Streetview waren allerdings offenbar schon älter und zeigen zumindest den Markt noch so, wie ich ihn in Erinnerung habe – mit viel Dreck und Müll (und Essensresten) auf den Straßen.
Als ich Janine dann noch die Google Street View Ansicht unseres damaligen Hostels (und der Aussicht von unserem Zimmer) zeigte, musste sie lachend zugeben: „ach du meine Güte. Da sieht es ja noch schlimmer aus, als in der Gegend, wo wir geschlafen haben“.
Offenbar hatten wir, als damals arme Studenten, noch zusätzlich Pech und man kann Catania doch noch ein bisschen abgewinnen, wenn die restlichen Umstände stimmen.
Ich glaube aber trotzdem nicht, dass ich noch mal freiwillig hinfahre. Falls ich dort landen werde, werde ich nach einer Übernachtung verschwinden – aber das hat ja auch Janine so geraten 😀

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4 Gedanken zu “Ist Catania trotzdem eine Reise wert? – Gastartikel von Janine

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