Warum nicht jeder Ort eine Reise wert ist…

Reiseflops, wie sie Janine in ihrer Blogparade zusammenträgt, hatte ich tatsächlich sehr wenige. Es gab Orte, von denen ich nicht so hin und weg war, wie von anderen. Bei Paris etwa kann ich die Begeisterung, die viele für diese Stadt zu empfinden scheinen, nicht ganz nachvollziehen. Dennoch habe ich meinen Tag in Paris sehr genossen und würde niemandem davon abraten, dorthin zu fahren.
Mein Wochenende in Bologna erscheint mir in meiner Erinnerung als Aneinanderreihung von schlechter Organisation und schlechtem Timing. War Bologna deshalb ein Reiseflop? Nein, eigentlich nicht.
Und schon gar nicht würde ich die Ausflüge, bei denen so richtig ALLES schief ging, als Flops deklarieren. Sie sind mir v.a. als Abenteuer im Kopf geblieben.
Einen Ort gibt es aber, den ich gar nicht mehr besuchen würde und bei dem ich auch allen rate, sich bloß nicht zu lange dort aufzuhalten: Catania auf Sizilien.

Eine gute Sache hatte die Einführung der Studiengebühren während meiner Studienzeit: Unser Lehrstuhl nutzte sie, um historische Exkursionen zu finanzieren, so dass wir Studenten für diese Pflichtveranstaltungen nur noch geringe Zuzahlungen zu leisten hatten. Eine dieser Exkursionen ging nach Sizilien. Start und Ende – des Flughafens wegen – in Catania. Da die Exkursion in die Semesterferien fiel, beschlossen zwei Freunde und ich, vorne und hinten noch ein paar Tage dran zu hängen und buchten die entsprechenden Nächte im Hostel, das wir mit der Gruppe in Catania bewohnen würden.
Was für eine saublöde Idee!

Sizilien ist wunderschön.

Cefalù

Cefalù auf Sizilien

Catania ist es nicht!

An sich ist Catania auch nicht hässlich – es gibt nur außer der Kirche nicht wirklich etwas zu sehen. (Übrigens: Janine war kurz nach Erscheinen dieses Artikels selbst auf Sizilien und hat darüber geschrieben, wie Catania so auf sie wirkte und wie der Markt heute so ist.)
Macht nichts! Man kann ja baden gehen und am Strand rumliegen. Zwei Mal erkundigten wir uns nach Stränden mit Bademöglichkeiten. Einmal wurden wir nach Norden geschickt, was einen langen Fußmarsch über Autobahnausfahrten(!) und Schnellstraßen durch die brütende Hitze bedeutete, um an einem … naja bestenfalls mittelmäßigen Strand zu landen.
Das zweite Mal schickte man uns nach Süden und eine gefühlte Ewigkeit mit dem Bus später landeten wir zwar am Meer – von einer Bademöglichkeit konnte allerdings keine Rede sein. [Edit: Dank Janines Gastartikel über Catania und meiner darauffolgenden Ausflüge auf Google Maps weiß ich heute, dass es genau anders herum war: Der erste Strand war im Süden, der zweite angebliche Strand im Norden]

Kathedrale von Catania

Kirche in Catania

Festsitzend in einer Stadt, in der man nichts anschauen und nicht baden konnte, vertrieben wir uns also die Zeit im Hostel. Einem wunderschönen Hostel, bei dem einfach mal das Wasser abgedreht wurde, was man leider erst merkte, nachdem man auf dem Klo war (ich erspare euch Einzelheiten), weil es nirgends angekündigt worden war.
Ein wunderschönes Hostel, dessen Abwässer über Rohre auf den Zuggleisen hinter dem Haus entsorgt wurden. Trotz 40°C stank es aber gar nicht so sehr – denn diese Gerüche wurden überdeckt vom nahegelegenen Fisch- und Fleischmarkt, der seine Abfälle gleich unserem Fenster gegenüber auf der anderen Seite des Platzes ablegte. Dort gammelten die Sachen in der sizilianischen Sommerhitze bis zum Abend, die Straßenhunde bedienten sich bis die Müllabfuhr sie abholte.

Markt in Catania

Ach ja, der Markt. Normalerweise mag ich Märkte, aber bei diesem hat es mich nur noch gegraust! Fisch und Fleisch lagen in der Hitze, von Kühlung keine Spur. Mit Wedeln wurden die Mücken ferngehalten, die sich trotzdem scharenweise darauf niederließen. Es stank zum Himmel und mit Flipflops durch diesen Markt zu gehen war grauenvoll – bei all den Fisch- und Fleischresten, die dort am Boden lagen.
Wenn meine Mitreisenden die Lebensmittelmärkte in Marokko für unhygienisch hielten, musste ich innerlich lachen. Offenbar waren sie noch nie auf Sizilien.

Markt in Catania

Falls ihr nach Sizilien fahrt, ist es durchaus wahrscheinlich, dass ihr in Catania landet. Bleibt dort höchstens eine Nacht und fahrt dann weiter – vergeudet eure kostbare Zeit auf dieser schönen Insel nicht in dieser Stadt.

Und falls ihr wirklich bis bzw. ab Catania fliegen solltet, wünsche ich euch jetzt schon mal gute Nerven und viel Spaß.
Meine Exkursion auf Sizilien war vor meinem Florenzaufenthalt. Dementsprechend schlecht war mein Italienisch. Von uns dreien war ich allerdings die Einzige, die überhaupt ein paar Brocken Italienisch beherrschte. Und so wunderte es nicht, dass meine beiden Freunde erwartungsvoll auf mich blickten, als der einzige (!) dafür zuständige Herr am Flughafen von Catania im dicksten Sizilianisch erklärte, welchen Bus wir zu nehmen hätten und wie wir zu unserem Hostel gelangen könnten. Warum für solche Auskünfte an einem internationalen Flughafen eine einzige Person zuständig ist, die nicht einen Brocken Englisch beherrscht, bleibt ein Rätsel.

Die Fahrt von Catania zum Flughafen gestaltete sich ähnlich wohlorganisiert. Am Busbahnhof gab es ein Infohäuschen; der darin sitzende Herr gab uns die Auskunft, der Bus fahre „every 20 minutes“ (hey, immerhin sprach er Englisch!). Wann genau? Das wisse er nicht – alle 20 Minuten halt.
Nach über einer halben Stunde war vom Flughafenbus noch immer keine Spur zu sehen. Wir wurden langsam nervös. Noch einmal fragten wir nach und achselzuckend gab man uns erneut die Auskunft: „every 20 minutes!“
Irgendwann kam der Bus schließlich und wir erreichten auch den Flughafen rechtzeitig, um das Gepäck aufzugeben. Die Wartehalle war weitgehend leer, als meine beiden Freunde beschlossen, noch schnell eine Zigarette zu rauchen. Keine 10 Minuten später betraten wir die Halle erneut und uns traf fast der Schlag, denn die komplette Halle stand voller Menschen, die alle in einer langen durch die gesamte Halle gewundenen Schlage vor der Sicherheitskontrolle warteten. Es dauerte ewig. Wohl auch deshalb, weil das Sicherheitspersonal gerne ein Schwätzchen mit den Passagieren hielt. Wir konnten froh sein, dass sie wenigstens auf den Caffè verzichtet haben. Die Durchsagen waren auch ausschließlich auf Italienisch und uns wurde heiß und kalt als wir – noch immer in der Schlange stehend – unsere Namen hörten. Im Dauerlauf erreichten wir schließlich noch das Flugzeug, das fast ohne uns geflogen wäre und uns im „schönen“ Catania zurückgelassen hätte.

Ich habe keine Ahnung, ob es am Flughafen von Catania heute noch so zugeht oder ob inzwischen dort jemand Englisch spricht. Ich hoffe, ich werde es nie herausfinden, denn beim nächsten Mal würde ich lieber gleich in Palermo landen!

Dom in Palermo

Dom von Palermo

Lesetipp:

Wer sich davon überzeugen will, dass Sizilien abseits von Catania wirklich wunderschön ist, kann z.B. mal bei Claudia von Pen & Sea vorbeischauen, die einen tollen Artikel über das Herz Siziliens geschrieben hat.

Und wer wissen will, wie Janine von Finding Hummingbirds Catania empfunden hat, der kann ja hier ihren Gastartikel lesen: Ist Catania trotzdem eine Reise wert?

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19 Gedanken zu “Warum nicht jeder Ort eine Reise wert ist…

  1. Immerhin sind solche Reiseerlebnisse diverse Geschichten wert, über die man oftmals später (!) auch gut und gerne schmunzeln kann 😉
    Aber d’accord, sowas muss man nicht zu oft erleben.

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  2. ohje ohje, kein tolles erlebnis! aber auch sowas gehört wohl dazu. ist vermerkt, catania wird also bis auf notwendigkeiten vermieden ^.^
    ich fand übrigens, dass pisa eine total unnötige stadt ist. ich hab dort zwar nichts sonderlich negatives erlebt, aber dass eine stadt, die so bekannt ist, so total uninteressant sein kann… (und soviele „straßen ohne bezeichnung“ hat… ein wunder, dass wir überhaupt hingefunden haben, wo wir hinwollten ^.^)

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  3. Kurze Anmerkung zu Paris: ich hab mich anfangs auch sehr schwer getan mit dieser Stadt. Ich hab etwas länger in der Ile de France gelebt … und Paris war zuerst schwierig. Doch irgendwann, es war nach Monaten, saß ich … mhm … war es im Jardin du Luxembourg? An der Rue de Rivoli? … ich blickte mich jedenfalls um, und war verliebt.

    Hat halt ne Weile gedauert. 😉

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    • Ja, manchmal gehts einem so 😀 Wie gesagt: Ich mochte Paris, war aber auch nur einen Tag da. Der Tag war wunderschön, aber ich fand die Stadt unglaublich laut. Ich würde auf jeden Fall wieder nach Paris, aber wie gesagt, die pure Begeisterung hat mich nicht gepackt, als ich dort war 🙂

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  4. Vielen lieben Dank für deine Teilnahme an der Blogparade 🙂
    Ich habe mich übrigens mit Paris auch sehr schwer getan. Die ersten 1,5 Tage konnte ich gar nicht verstehen, was alle an dieser Stadt so schön finden. Dann fing der Eifelturm Abends zu glitzern an, wir aßen Schnecken und Zwiebelsuppe und dann hatte mich Paris doch noch bezaubern können. Irgendwie…speziell halt.
    Aber um Paris geht es hier ja gar nicht..sondern um Catania.
    Sizilien wollten wir bald auch mal hinfliegen und wissen jetzt Bescheid! 😉 Bei dir war die gesamte Kombination ja auch echt unglücklich. Manoman. Naja. Umso mehr kann man andere Orte (und Fischmärkte) schätzen. 🙂

    Ganz viele liebe Grüße! 🙂

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    • Jaaaa, Sizilien selbst ist super. Ich mochte die Insel wirklich gerne. Leider hab ichs noch nicht geschafft, den Sizilienartikel zu schreiben. Wie so viele andere auch…

      Naja, ob mich Schnecken in Paris wirklich verzaubern könnten? Ich glaub nicht 😀 Ich fand den eintägigen Bummeln eigentlich sehr schön 🙂

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  5. Ich habe mir zuerst die Bilder angeschaut, wunderschön – besonders die vom Fisch- und Fleischmarkt. Dann habe ich gelesen, so schnell ändert sich die Aussage eines Bildes. Erst Frische dann Gestank. Ich bin sehr pingelig, was Hygiene angeht, so etwas hätte mich verrückt gemacht. Stinkende Fische und Reste auf dem Boden bei 40 Grad. Nein Danke….

    Liebe Grüße, Bee

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  6. Hallo Ilona. Ja, nicht alles was Touristisch angepriesen wird ist auch für jeden interessant. Vor wenigen Wochen habe ich erst einen Bericht über Catania und dessen Markt gelesen. In Catania selbst hat schon seit einiger Zeit eine Art Landflucht eingesetzt und neue Flüchtlinge beziehen alte Häuser. Der für den Tourismus beworbene Markt soll nicht mehr der sein, der er einmal war. Ich selbst war noch nie in Catania. Dafür habe ich die Nordküste von Sicilia mit dem Fahrrad bereist und wie du selbst beschreibst Cefalú, dort ist es wunderschön. Auch wenn man so wie ich ein wenig ins Gebirge fährt. Wunderbar. Liebe Grüße.

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    • sehr interessant. Muss ich bei Gelegenheit mal nachsehen, wie es um Catania heute bestellt ist. Meine Uni-Zeiten liegen ja nun auch schon ein paar Jährchen zurück 😀

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  7. Pingback: Eure Reisetopps und Reiseflopps | Finding Hummingbirds

  8. Pingback: Ist Catania trotzdem eine Reise wert? – Gastartikel von Janine | wandernd

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