„due passi“ abseits der Touristenströme – 14 Tipps für Florenz

Was ihr in Florenz unbedingt gesehen haben müsst, habe ich euch bereits verraten. Aber wo man den Touristenmassen entgeht, wo man gut zu Abend essen kann, wo man gutes Eis mit tollem Ausblick bekommt und was von den Straßenmusikern in Florenz zu halten ist, das verrate ich euch hier.

Ponte santa Trinita

Blick vom Ponte Santa Trinità auf den Ponte Vecchio

Wie in allen touristischen Städten, so bewegen sich auch in Florenz die Touristen auf einer Hauptroute – die hier ziemlich genau nord-südlich verläuft: Von San Lorenzo über die Piazza del Duomo, durch die Via Calzaiuoli vorbei an der Piazza della Repubblica, über Piazza della Signoria und den Ponte Vecchio zum Palazzo Pitti – und dann schon ausgedünnter hoch zur Piazzale Michelangelo. Gruppentouristen werden dort eher mit dem Bus hochgefahren.
Die zweite Hauptachse verläuft auf dem kurzen Stück von der Piazza della Signoria zur Piazza Santa Croce.
Wie in anderen touristischen Städten auch, muss man aber nur mal ein paar Schritte von der „Hauptroute“ abweichen, um sich zu fragen, wo die ganzen Leute auf einmal geblieben sind. Ebenso wie in Rom genügt dazu mitunter der Besuch einer Kirche, da die meisten Touristen nicht wahllos Kirchen besuchen. Doch es lohnt sich, einfach mal eine Kirche zu betreten.

Einige Tipps sicher keine eigentlichen „Geheimtipps“. Viele findet man in Reiseführern, die meisten liegen unweit der Hauptsehenswürdigkeiten, aber doch abseits genug, um in wenigen Minuten den Massen einmal zu entkommen.
Allgemein empfiehlt sich für Florenz natürlich ein Besuch in der Nebensaison. Ich war zwei Mal im März/April dort, also bevor der eigentliche Ansturm kam.


Doch nun genug der Vorrede. Hier meine Tipps „due passi“ abseits der Touristenströme:

Achtung! Offensichtlich haben sich die Bedingungen der Amici degli Uffizi-Karte, die in diesem Artikel immer wieder erwähnt wird, inzwischen geändert und sie beinhaltet nicht mehr den Gratisbesuch so vieler Museen wie zuvor.
Ob sich die Karte für euch trotzdem lohnt, müsst ihr selbst nachlesen!

Diesseits des Arno:

1) Piazza Santissima Annunziata

Ospedale degli innocenti

Ospedale degli innocenti

Dieser Platz liegt unweit des Domes, trotzdem kommen vergleichsweise wenige Touristen hier her.
An drei Seiten finden sich Gebäude mit Säulenvorhallen, was dem Platz ein recht harmonisches Gesamtbild verleiht – und zudem viele Treppen bietet, auf denen man herrlich Pause machen und Geist und Füße entspannen kann. Am Rand – in Richtung Dom – gibt es obendrein ein Café, in dem man sich gemütlich niederlassen und den Anblick des Platzes in sich aufnehmen kann.

Eingerahmt wird der Platz vom Gebäude einer Rosenkranzbruderschaft, von der Wallfahrtskirche Santissima Annunziata und dem Waisenhaus Ospedale degli Innocenti, in dessen Vorhalle man auf der linken Seite eine  frühneuzeitliche „Babyklappe“ findet, eine Drehtüre bei der man bis ins 19. Jahrhundert ungesehen Kinder abgeben konnte.
Die Piazza Santissima Annunziata ist jährlich am 7. September Schauplatz der „Festa della Rificolona„, einem Laternenfest, das sich aus einer Wallfahrt entwickelt hat. Ich selbst habe das leider noch nicht erleben dürfen.

Santissima Annunziata

Blick auf den Dom von der Piazza Santissima Annunziata

2) Mercato Centrale bzw. Mercato Sant‘ Ambrogio

Unweit von San Lorenzo findet man, wenn man sich durch die vielen Marktstände mit Lederwaren und Tüchern hindurchgekämpft hat, den Mercato Centrale, wo man sich so richtig Appetit auf alles holen kann, was die italienische Küche zu bieten hat.
Die kleinere Variante, der Mercato Sant‘ Ambrogio, befindet sich unweit von Santa Croce.

Lesetipp: 

Der Mercato Sant’Ambrogio gehört auch zu den Insidertipps, den ihr auf Soviel-Italien.com bekommt. Neben einigen anderen natürlich.

3) Chiostro dello Scalzo

Chiostro dello Scalzo2 Chiostro dello ScalzoDer kleine, etwas versteckte Kreuzgang einer Johannesbruderschaft, die früher barfuß (eben „scalzo“) an Prozessionen teilnahm war bei meinem Besuch so gut wie leer.

Wunderschön sind allerdings die Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, die Andrea del Sarto (1486-1530) in Grisaille-Technik ausführte, einer Technik, in der die Malerei ausschließlich in schwarz, weiß und verschiedenen Graustufen ausgeführt wird.

Der Chiostro dello Scalzo kann mit der Karte „Amici degli Uffizi“  besucht werden.

4) Chiostro degli Aranci – Badia Fiorentina

chiostro badia2Auch die Badia Fiorentina ist eigentlich alles andere als ein Geheimtipp. Sie steht in jedem Reiseführer und befindet sich gleich bei der Piazza della Signoria. Und doch war ich auch hier verschont von den Massen der Touristen.

Im 10. Jahrhundert gegründet, war diese Benediktinerabtei für die Stadt offenbar so prägend, dass man sie einfach nur „Badia“ – „Abtei“ nannte. In der Kirche der Badia hat Dante angeblich seine Beatrice zum ersten Mal gesehen.

chiostro badia fiorentinaDer „Kreuzgang der Orangenbäume“ wurde im 15. Jahrhundert hinzugefügt und zeigt in einem sehr anschaulichen, beeindruckenden Freskenzyklus das Leben des Heiligen Benedikt.

 

 


Nettuno

unverkennbar: Der Turm der Badia (links) von der Piazza della Signoria aus gesehen

5) Santa Maria Novella und Chiostro Verde

Chiostro santa maria novella2 Santa Maria Novella ist sicherlich kein Geheimtipp, denn zumindest jeder, der mit dem Zug nach Florenz kommt, kennt den Namen: Der Bahnhof ist nach der nahegelegenen Kirche benannt.

Allerdings besuchen vergleichsweise wenige Touristen auch die Kirche und den Kreuzgang. Wenn letzterer auch etwas heruntergekommen und schäbig wirkt, so enthält er ein paar sehr interessante Fresken, die u.a. das Wirken der Dominikaner zeigen – z.T. dargestellt als Hunde, eben als „domini canes“, als Hunde des Herrn, die über die „bösen Hunde“, also die Ketzer herfallen. Chiostro santa maria novella

6) Museo San Marco

San MarcoWer bisher noch nicht mitbekommen hat, dass ich eine Schwäche für Klöster, Kirchen und Kreuzgänge habe, der merkt es wohl spätestens jetzt.

Auch San Marco ist eigentlich kein Geheimtipp und im Gegensatz zu den anderen hier vorgestellten Orten war es bei meiner Besichtigung auch sehr gut besucht. Nach wie vor kein Vergleich zu Duomo, Uffizien und Ponte Vecchio natürlich.

San Marco, das Kloster des berühmt-berüchtigten Bußpredigers Savonarola, der auf der Piazza della Signoria verbrannt wurde, ist v.a. bekannt für die Freksen Fra Angelicos: Jede Zelle der Brüder enthält eine Darstellung aus der Heilsgeschichte. Das berühmteste Bild dürfte das der Verkündigung sein.

Die Verkündigung von Fra Angelico - aus WikiCommons übernommen

Die Verkündigung von Fra Angelico – aus WikiCommons übernommen

Auch für das Museum San Marco kann man die Tickets online vorbestellen. Es ist außerdem in der Karte „Amici degli Uffizi“ inkludiert.

7) Restaurant Quinoa

Hier lehne ich mich gerade sehr weit aus dem Fenster, denn möglicherweise empfehle ich hier etwas, das ich gar nicht kenne.

Gleich neben Santa Maria Maggiore befand sich ein kleines, sehr verstecktes Restaurant, das mitten im Trubel den perfekten Ort für eine Stärkung bot. Ich hätte dieses Restaurant niemals gefunden, wenn zwei in Florenz lebende Bekannte es mir nicht gezeigt hätten – obwohl es direkt in der Innenstadt lag und ich eigentlich schon dutzendfach daran vorbeigelaufen sein musste. Dementsprechend war es auch frei von Touristen.

Als ich nun für diesen Artikel recherchierte, las ich, dass sich dort heute offenbar das Restaurant Quinoa, ein glutenfreies Restaurant (mit auch einer guten vegetarischen Auswahl), befindet. So sehr ich auch darüber nachdenke, ich komme nicht darauf, ob das Restaurant damals bereits das Restaurant Quinoa war. Es befindet sich auf jedenfall am selben Ort wie damals und ist Teil des Projekts ZAP – Zona Aromatica Protetta / Casa della Creatività, einem kreativen Projekt, das vom Restaurant über Ausstellungen und ein Webradio so ziemlich alles beinhaltet.

Was mir in Erinnerung blieb war ein Lokal, das so zentral lag, dass man es vom Dom in wenigen Minuten erreichen konnte, aber doch so versteckt war, dass ich es absolut nie wahrgenommen hatte. Das ist heute sicher noch nicht anders.

8) Le Cascine

Die grüne Lunge von Florenz ist für all die, die endgültig eine Auszeit brauchen – von Kunst und Kultur, von den Touristen und vom völligen Mangel an Grün in der Innenstadt.
Etwas abseits gelegen verirren sich auch nur wenige Touristen hier her.

Oltrarno:

Oltrarno heißt nichts anderes als „jenseits des Arno“ – und zwar vom Dom bzw. der Piazza della Signoria ausgesehen. Gemeint ist damit das Gebiet südlich des Arno, wo sich Palazzo Pitti, Giardino di Boboli und Piazzale Michelangelo befinden. Viele Touristen gehen gar nicht erst über den Ponte Vecchio oder zumindest nicht weiter als bis zum Palazzo Pitti. Macht diesen Fehler nicht, denn auch die Viertel dort sind wirklich schön und eignen sich auch für eine Übernachtung, etwa Santo Spirito* (bzw. San Frediano) oder  San Nicolo*, zu Füßen des Piazzale Michelangelo.

9) Gelato Santa Trinità

Ponte santa Trinita

Blick vom Ponte Santa Trinità auf den Ponte Vecchio

Gleich am Ponte Santa Trinità gelegen kann man hier sehr gutes Eis bekommen und das gleich mit einem herrlichen Blick auf den Ponte Vecchio verzehren.
Herz, was willst Du mehr?

Lesetipp:

Julia von Globusliebe hat übrigens die gleiche Lieblingseisdiele in Florenz. Glaubst Du nicht? Dann schau mal hier.
Außerdem bekommst Du bei ihr Tipps für einen Kurztripp nach Florenz.

10) Restaurants an der Piazza Santo Spirito

Zum Essen empfiehlt sich ein Abstecher zur Piazza Santo Spirito. Nur wenige Gehminuten vom Palazzo Pitti entfernt habe ich hier schon sehr gute Pizza in hauptsächlich italienischer Gesellschaft gegessen.

11) Santa Maria del Carmine

Santa Maria del CarmineVon der Piazza Santo Spirito ist es nicht mehr weit zur Kirche Santa Maria del Carmine mit den berühmten Fresken in der Brancacci-Kapelle, die beim Brand im 18. Jahrhundert zum Glück nicht zerstört, aber doch schwer beschädigt worden waren.

Vor 1386 im rechten Arm des Querschiffes der Kirche S. Maria del Carmine erbaut, verdankt die Kapelle Brancacci ihre Berühmtheit dem Freskenzyklus, dessen Einzelwerke jeweils zeitversetzt auf ihre 3 Wände von Masolino, Masaccio und Filippino Lippi aufgetragen wurde.“ (Quelle)

Die Kapelle wurde 1990 nach aufwändiger Renovierung wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

12) Cimitero delle Porte Sante

cimitero delle porte sante2
Wer wie ich gerne Friedhöfe besucht, sollte – wenn er schon mal am Piazzale Michelangelo ist – auch dem Cimitero delle Porte Sante bei der Kirche San Miniato al Monte einen Besuch abstatten.
Dieser wunderschöne Friedhof wird demnächst noch einen eigenen Beitrag hier auf meinem Blog bekommen – mit weiteren Fotos natürlich.

Außerhab der Stadt:

13) Fiesole

Fiesole2Keiner meiner Bekannten fährt nach Florenz, ohne dass ich ihnen den Besuch von Fiesole ans Herz lege.

Mein Lieblingsflecken von Florenz – liegt außerhalb der Stadt. Mit dem Bus sind es nur ca. 15 Minuten und schon ist man auf dem Berg und genießt einen wunderschönen Blick über Florenz.

Mein geliebtes Fiesole hat ebenfalls einen eigenen Blogartikel verdient, der demnächst folgen wird.

Allgemeines:

14) Straßenmusik

Nehmt euch Zeit für die Straßenmusiker.
In Florenz darf nicht jeder öffentlich Musik machen. Die ausgewählten Künstler verstehen ihr Handwerk und v.a. bei einem abendlichen Spaziergang kann man an der Piazza della Signoria, der Piazza della Repubblica und auf dem Ponte Vecchio sehr gute Musik zu hören bekommen, die der Stadt noch einmal einen ganz besonderen Zauber verleiht.
An der Piazzale Michelangelo sitzen die Zuhörer wie im Konzertsaal auf den Stufen und genießen nicht nur die musikalische Darbietung sondern ebenso den phantastischen Ausblick.

Das war nun wirklich viel Text auf einen Schlag, aber ich hoffe, ich konnte euch die ein oder andere neue Sache zeigen und euch neugierig auf vielleicht noch unentdeckte Ecken in Florenz machen.

Mehr Tipps für euren Florenz-Trip?

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Lesetipp:

Ihr habt noch nicht genug von Florenz? Schaut mal auf dem Blog Reisezikaden vorbei – dort bekommt ihr weitere Tipps für Sehenswürdigkeiten abseits der Touristenpfade. Es lohnt sich!

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17 Gedanken zu “„due passi“ abseits der Touristenströme – 14 Tipps für Florenz

  1. jetzt weiß ich wo ich nachschaue was ich mache wenn ich florenz mal wieder bereisen sollte 🙂
    ich fand es ja spannend, dass nur das kleine stück weiter weg, am platz vor santa croce, eigentlich gar nichts los war, während sich die menschen vor dem dom fast gestapelt haben. aber das ist halt wie in venedig… einfach eine andere seitengasse nehmen und dort geht es schon viel entspannter zu!

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    • Vor Santa Croce verläuft es sich auch ziemlich gut, das kommt noch hinzu 😀 Aber ja, es ist wirklich so: Ein, zwei Mal abbiegen und schon hat man seine Ruhe 😉

      und natürlich: Falls du mal wieder nach Florenz kommst und meine Tipps im Gepäck hast, freu ich mich auf Rückmeldung 😀

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  2. Pingback: 10 Dinge, die man in Florenz gesehen haben muss – Teil 1 | wandernd

  3. Pingback: Gelati | wandernd

    • wann wart ihr da, also in welcher Jahreszeit? (ich glaub, das hab ich schon mal gefragt, aber wieder vergessen 😀 )
      Ja, Florenz ist so ne Stadt, wo man echt Zeit braucht. Nicht nur, weils so viel zu sehen gibt, sondern weil man Pausen braucht von all den Menschen. Leider hat es sich bei Florenz noch nicht so eingebürgert wie bei Venedig, dass „sich einfach mal verlaufen“ dazu gehört.

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    • Ist eigentlich eine gute Zeit, um nach Florenz zu reisen – außer es sind da schon Osterferien.
      Und an sich sind 5 Tage auch ne gute Zeit, um Florenz zu entdecken. Schade, dass ihr es nicht in so guter Erinnerung habt.
      Dass ihr die Uffizien nicht gesehen habt, ist schade. Die sind das Warten durchaus wert, wenn man sich für Kunst interessiert. Diesmal hab ich mir die Tickets aber vorbestellt. das kostet zwar 4€ mehr, aber dafür steh ich mir die Beine nicht in den Bauch.

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    • Naja – wir haben ja unser khm in Wien – und die 4h wären an unserem letzten Tag gewesen- das wollten wir anders nutzen. Und „schlechte Erinnerung“ wäre ja auch übertrieben. Morgens bei Sonnenaufgang an der ponte vecchio war ein Traum. Für mich war Florenz echt hübsch aber eben auch echt voll…

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    • Ja, das stimmt schon, aber so wie in Rom die Vatikanischen Mussen, finde ich die Uffizien ein echtes Muss. Sogar weit mehr als das KHM, das ich Wien-Besuchern bisher nie als „Muss“ ans Herz gelegt habe, ehrlich gesagt.

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    • Echt? Ich liebe das khm! Und ich würde niemals 4h in der Schlange stehen, nur um ein Museum zu sehen. Vor allem nicht, wenn meine zeit beschränkt ist. Für mich ist das dann viel mehr ein Grund, nochmal wiederzukommen.

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