Von Fernweh und Heimweh

Wann ist Fernweh eigentlich Fernweh? Und ist es irgendwie verwandt mit Heimweh? Hat man Fernweh nur nach Orten, an denen man noch nie war? Und muss man für Heimweh bereits eine bestimmte Zeit irgendwo gelebt haben? Und wenn ja, wie lange?

Fernweh, so belehrt mich der Duden, Substantiv, Neutrum: Sehnsucht nach der Ferne, nach fernen Ländern.
Das hilft mir nun auch nicht weiter, um die Frage zu beantworten. Wann ist Ferne fern genug, um Fernweh hervorzurufen?
Ich google weiter und finde bei der Google-Bildersuche zahlreiche Bilder mit der Aufschrift: Fernweh, noun, german: A crave for travel. Being homesick for a place you’ve never been.

fernweh

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Dieses Jahr fahr ich hin, wo ich schon mal war

Es ist Mitte Januar, das Jahr ist noch jung und auf allen Blogs sprießen die Artikel wie Pilze aus dem Boden: Wo soll es 2017 hingehen? Verständlicherweise geht es oft darum, ein weiteres Häkchen auf der Bucketlist zu setzen, irgendwohin zu fahren, wo man noch nie war. 

Wenn ich mir meine Reisepläne für das kommende Jahr ansehe, dann sieht es ein bisschen anders aus. Man könnte sagen, das Reisejahr 2017 steht unter den Mottos „Back to the roots“ oder „Vor der Haustüre“. Denn dieses Jahr fahr ich mal dorthin, wo ich schon mal war. Und das ganz bewusst. 

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„O Täler weit, o Höhen“ – Mein Lieblingswald

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt’ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft’ge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!

(Abschied vom Walde) 

WienerWald

Der Wiener Wald im frühen Herbst

Als Sabine von Ferngeweht für ihre Blogparade nach unserem Lieblingswald fragte, musste ich sofort an dieses Lied denken. Und wenn es einen Wald gibt, der mir bei diesen Zeilen in den Sinn kommt, dann ist es eindeutig der Wiener Wald. 

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Warum ich seit dem Amoklauf in München weniger Angst habe als zuvor

Eigentlich hatte ich nicht vor, über mein Erlebnis am 22. Juli 2016 in München zu schreiben. Eigentlich…
Dann traf ich kürzlich in der Münchner Innenstadt ein Paar aus Hannover. Sie hatten ihren Rhodos-Urlaub storniert, aus Angst vor terroristischen Anschlägen. Stattdessen fuhren sie mit dem Auto einmal quer durch die Bundesrepublik nach München. Lieber mit dem Auto als Fliegen? Ausgerechnet nach München?
Ich hatte nicht gedacht, dass es Menschen gibt, die wirklich so ängstlich sind, dass sie sogar ein so sicheres Reiseziel wie Rhodos meiden würden. Rhodos, das auch nicht gefährlicher ist als Deutschland – aber eben weiter weg, anderes Land, andere Sprache. Das trägt wahrscheinlich einen Teil zur Unsicherheit bei. Aber warum fahren sie – wo sie doch offensichtlich so ängstlich sind – ausgerechnet nach München?

Nein, München halte ich für keine „unsichere“ Stadt. Im Gegenteil. Wie auch in Wien fühle ich mich auch in München sehr sicher. Aber München ist eine Stadt, in der viele Menschen leben. Und damit ist es eine Stadt, in der immer etwas passieren kann. Denn das ist es eben: Es kann immer etwas passieren, egal wann, egal wo. Das Leben bietet keine Sicherheit. Niemals.

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„Gypsys, Tramps and Thieves“? – The Romani people

Gypsy_Woman by Nikolai Yaroshenko

Nikolai Yaroshenkos „Zigneunerin“ zeigt uns das bekannte Klischee der bettelnden, verführerisch-exotischen Schönheit

„Zigeuner“, so nennt man sie für gewöhnlich – und auch wenn man weiß, dass das Wort heute verpönt ist, so sind damit doch viele Bilder verknüpft: Wohnwagenkolonien, Musik  und verführerische Frauen, die ums Feuer tanzen und ihre schwarzen langen Locken hin und her werfen. Na, habt ihr auch schon Carmen oder Esmeralda im Kopf?

Das ist eines der populären Bilder von Romani*) – ein anderes kennen wir gerade als Reisende aus eigener Anschauung: armselige, zerlumpte Bettler, die entweder den ganzen Tag flehentlich kniend um Geld bitten oder durchaus schon einmal aggressiv werden können, wenn man es ihnen nicht gibt. Und obendrein muss man sich natürlich vor  Taschendieben unter ihnen in Acht nehmen.

Aber wer sind sie denn nun wirklich, diese Romani*)? Sie gehören zu der Volksgruppe, der gegenüber ich sehr lange selbst sehr starke Vorbehalte hatte, denn wann immer sie für mich als Romani*) erkennbar waren, fielen sie mir negativ auf. Es gab einfach keinen einzigen Fall, in dem Roma oder Sinti positiv als solche aufgefallen und erkennbar gewesen wären. Warum war das so?
Ich wollte diese Vorurteile angehen und kam so mit Martina in Kontakt, einer in Slowenien lebenden Italienerin, deren Forschungsschwerpunkt die vielfältigen Diskriminierungen sind, mit denen Roma täglich konfrontiert werden und die sich schon seit Jahren für die soziale Integration dieser Minderheit einsetzt.
Ich bat sie, einen Artikel über die Romani*) für unser Blogprojekt „Blogger gegen Rassismus“ zu schreiben – was sie mit Freuden getan hat. Ein weiterer Beitrag zu Roma Museen, Restaurants und B&Bs soll folgen.

*) Martina verwendet das Wort Romani für die Ethnie, während das Wort im Deutschen eher für die Sprache gebräuchlich ist. Ich habe hier das von Martina verwendete Wort gebraucht, da es im Deutschen lediglich Bezeichnungen wie „Sinti und Roma“ etc. gibt (die andere Gruppen wohl wiederum außen vor lassen), während Sammelbezeichnungen wie „Zigeuner“ oder „Fahrendes Volk“ als abwertend oder pauschalisierend empfunden werden – und leider existiert auch kein deutsches Adjektiv. Falls ihr die korrekte deutsche Entsprechung zu Romani kennt, lasst es mich bitte wissen.

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