Reisen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt: Was tun bei Reiseübelkeit und Reisedurchfall? [enthält Werbung]

 

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Jeder, der mit mir schon einmal gereist ist, weiß, dass ich inzwischen (leider) eine gewisse Expertise erworben habe beim Thema „Reisen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt“. Inzwischen bin ich ganz gut darin, Magen-Darmprobleme soweit wie möglich von vorneherein zu vermeiden, aber spätestens seit meinem Souvenir aus Kuba auch darin, mit akuten Problemen umzugehen. Und mit Reiseübelkeit schlage ich mich schon seit meinen Kindertagen herum.
Zeit, einmal ein paar Tipps zusammenzustellen, die sich für mich bewährt haben.

zeichen_101_-_gefahrstelle_stvo_1970-svgDieser Artikel ersetzt natürlich keinen Arztbesuch und auch keine Beratung in der Apotheke. Bei akuten und v.a. bei länger anhaltenden Beschwerden, solltet ihr immer Rücksprache mit einem Experten halten. Hinter einem im ersten Moment harmlos wirkenden Durchfall kann auch etwas anderes stecken!

Was tun bei Reiseübelkeit?

Reiseübelkeit ist eine Pest! Diejenigen, die darunter leiden, wissen es. Es ist nicht nur die Übelkeit selbst, es ist schon die Angst vor der Übelkeit, die einem jedes Betreten eines Busses oder Autos zur Qual macht.

Kurven

Kurvig gehts in Marokko durch die Berge: Hier wurde fast jedem schlecht

Die folgenden Tipps haben sich bei mir bewährt, um die Reiseübelkeit soweit wie nur möglich einzudämmen – ob sie für euch wirken, müsst ihr selbst herausfinden.

  • Tipp Nummer 1: Vorne sitzen. Wann immer es geht, setzt euch auf den Beifahrersitz bzw. im Bus in die erste Reise. Das ist nicht immer so leicht, da gerade bei öffentlichen Überlandbussen die erste Reihe häufig schon besetzt ist. Dann setzt euch so weit nach vorne, wie es nur geht oder bittet im Notfall darum, vorne sitzen zu dürfen.
  • Den Blick nach vorne richten. NIEMALS seitlich aus dem Fenster. Niemals nach unten, lesen oder im Rucksack kramen. Fahrt in öffentlichen Bussen auf keinen Fall rückwärts!
    V.a. bei kurvigen Strecken hilft es, aufrecht zu sitzen, sich festzuhalten, damit es einen nicht so hin und her wirft, und den Blick schon einmal „vorauszuschicken“, so dass man sich auf das, was kommt vorbereitet. Auf jeden Fall den Blick nach vorne und möglichst in die Ferne richten.
  • Nicht mit komplett leerem, aber auch nicht mit komplett vollem Magen in den Bus steigen. Für längere Fahrten habe ich immer trockene Kekse zur Hand, so dass ich nie mit komplett leerem Magen im Bus sitzen muss. Mit leerem Magen geht es mir meist noch schlechter.
  • Mir persönlich hilft es, Cola statt Wasser zu trinken, denn die Mischung aus Zucker, Kohlensäure und Koffein pusht meinen Kreislauf. Das müsst ihr für euch selbst austesten.
  • An Medikamenten haben mir noch nicht viele wirklich dauerhaft geholfen. Mit Ingwerpräparaten oder Reisekaugummis hatte ich keinen Erfolg.
    Die einzigen, die mir geholfen haben, waren Iberogast, das auch für allgemeine Magenverstimmungen sehr hilfreich ist, und – auf den wirklich anstrengenden Strecken wie den Serpentinenstraßen an der Amalfiküste – Vomex A. Akupressurarmbänder habe ich zwar auch, habe sie allerdings noch nicht systematisch testen können. Ich weiß aber, dass manche Leute darauf schwören.

Was tun bei Reisedurchfall? Vorbeugen und Verhalten bei akutem Durchfall 

Die medizinische Definition von „Durchfall“ ist ganz nüchtern: mehr als 200g, mindestens drei Mal am Tag und mit hohem Wasseranteil (mind. 75%).
Das wird nun niemand so genau nachmessen und was als vermehrt oder normal gilt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ein unkomplizierter akuter Durchfall klingt in der Regel nach wenigen Tagen ohne notwendige medizinische Behandlung ab. Sollte er das nicht tun oder sollte sich gar Blut im Stuhl befinden o.ä. muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden!
Häufig sind Keime und/oder ungewohntes Essen die Ursache. Die Keime findet man v.a. im Leitungswasser, aber auch auf rohen oder nicht gut durchgebratenen/gekochten Lebensmitteln.

Fladenbrot

in Usbekistan war es v.a. die massive Verwendung von Koriander, die mich lahmlegte. Das usbekische Fladenbrot wurde meine Hauptmahlzeit, erweitert durch geschälte Tomaten oder Gurken.

Deshalb lautet meine Formel für Fernreisen:
Keine Eiswürfel, Zähneputzen nur mit Mineralwasser und nichts essen, was nicht gekocht, gebraten, (von mir selbst) geschält bzw. gewaschen wurde. Und gewaschen eben NICHT mit Leitungswasser, sondern mit Mineralwasser.

Das klingt furchtbar strikt, aber so schlimm ist es dann doch nicht. Mit dieser Regel bin ich immer ganz gut gefahren – nur leider ist es nicht immer völlig möglich, sie einzuhalten. Das musste ich auf Kuba erkennen, als bei der dort doch erhöhten Menge an Cocktails Eiswürfel einfach nicht gänzlich zu vermeiden waren. Aber dazu weiter unten. So gut es geht, sollte man sich an obige Regel halten.

Was aber tun, wenn einen Montezumas Rache doch erwischt?

Wie gesagt muss ein unkomplizierter Reisedurchfall normalerweise nicht medizinisch behandelt werden. Ein paar Regeln sollte man allerdings schon beherzigen:

  • Bei Durchfall verliert man viel Flüssigkeit und viele Elektrolyte – und die muss man seinen Körper wieder zuführen. Das heißt: TRINKEN TRINKEN TRINKEN. Und zwar möglichst nichts Süßes (also kein Cola!) und natürlich erst recht keinen Alkohol, da dies den Flüssigkeitsmangel noch verstärkt. Wasser und Tee sind die Getränke der Wahl.
  • Um die Elektrolyte meinem Körper wieder zuzuführen habe ich Elektrolytepräparate immer auf Reisen dabei, für den Fall, dass es mich – aller Vorsicht zum Trotz – doch erwischen sollte.
  • Auch bei der Ernährung sollte man etwas wachsam sein und auf fettige, schwer verdauliche (Kohl, Hülsenfrüchte etc.) und milchhaltige Speisen verzichten. Lieber zu leichter Kost greifen (auch wenn Salat sich nicht anbietet, da der ja roh ist und nicht selbst gewaschen werden kann).
    1. Klassiker ist natürlich der Zwieback. Alternativ geht auch Weißbrot, Hauptsache man isst ihn ohne Belag (also keine Butter, kein Käse, keine Wurst). Zwieback ist leicht verdaulich, belastet den Magen-Darm-Trakt nicht noch zusätzlich und ist obendrein gut lager- und transportierbar.
    2. Ebenso empfehlenswert sind Bananen oder geriebener Apfel. Beide Früchte enthalten Pektin, das im Darm aufquillt und so den Stuhl bindet.
    3. Auch Reis – ohne Saucen, aber gerne mit leichter Gemüsebeilage (Karotten oder Zucchini) – empfiehlt sich als darmfreundliches Lebensmittel.
    4. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich eine Kartoffel-Karotten-Suppe kochen. Das war mein Standardgericht, nachdem mich die aus Kuba mitgebrachten Kryptosporidien einige Wochen lahmgelegt hatten:
      2 Karotten und 3 Kartoffeln klein schneiden und in einem halben Liter Wasser kochen. Anschließend stampfen oder durchpürieren und salzen (kein Pfeffer oder andere scharfe Gewürze!). Diese Schonkostsuppe ist relativ dünn und führt dem Körper damit gleich die benötige Flüssigkeit hinzu, aber sie ist nahrhaft und gut verträglich.

Übrigens: Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man seinen Reisedurchfall nicht stoppen, sondern „rauslassen“, damit die Erreger nicht im Darm zurückgehalten werden. Dennoch sollte man Arzneimittel mit dem Wirkstoff Loperamid dabei haben – etwa Imodium. Es gibt auf Reisen einfach Situationen, in dem man den Durchfall stoppen muss, etwa wenn eine längere Bus-, Zug- oder Autofahrt bevorsteht.

Tipp: Wer weiß, dass er einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt hat, kann übrigens auch vorbeugend Probiotika nehmen, um die Darmflora zu stärken. Diese können bei hartnäckigen Durchfällen – wie es bei mir nach Kuba der Fall war – auch unterstützend eingesetzt werden. Sprecht diesbezüglich am besten mit eurem Arzt. Zur Reisevorbereitung gibt es spezielle probiotische Präparate.


Zusammenfassung: 

Meine Tipps für die Reiseapotheke: 

  • Elektrolytepräparate, z.B. Elotrans (um den Elektrolyte-Verlust wieder auszugleichen)
  • Kohletabletten (binden Bakterien und Giftstoffe und helfen so, diese aus dem Darm zu entfernen)
  • ein Medikament mit dem Wirkstoff Loperamid, z.B. Imodium (um im Notfall den Durchfall stoppen zu können)
  • Iberogast (gegen Magenbeschwerden, etwa bei ungewohntem Essen)
  • Vomex A (gegen (Reise-)Übelkeit und Erbrechen)
  • Probiotikum, z.B. Omni-BiOTiC Reise (wenn man bekanntermaßen einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt hat, kann man die Darmflora hiermit stärken)

Ganz bequem könnt ihr die notwendigen Medikamente für eure Reiseapotheke auch über eine Versandapotheke bestellen, z.B. bei Europa Apotheek. Kalkuliert bei der Bestellung aber natürlich genug Zeit für den Versand ein!


Exkurs: Spezialfall Kryptosporidiose

Kryptosporidiose ist ein Spezialfall des Reisedurchfalls, der übrigens in Deutschland meldepflichtig ist!
Erreger in meinem Falle war Cyrptosporidium Parvum, ein Magen-Darm-Parasit. Es sind also keine Bakterien – eine antibiotische Behandlung ist nicht möglich – und auch keine Viren.

Symptome:
Nach einer Inkubationszeit von bis zu 12 Tagen (normalerweise 7-10 Tage) zeigen sich „erhebliche wässrige Durchfälle, die teilweise mit großen Flüssigkeitsverlusten einhergehen“ (RKI). Ich überlasse Details eurer Phantasie, aber die Beschreibung trifft es ganz gut. Dazu können sich Bauchkrämpfe und Übelkeit gesellen. Und v.a. der enorme Flüssigkeits- und Elektrolyte-Verlust setzt dem Körper sehr zu.
Wenn ihr nach eurem Urlaub weiterhin an Durchfall leidet, weist euren Arzt daraufhin, dass ihr zuvor in Urlaub wart und dass die Stuhlprobe auch auf Kryptosporidien untersucht werden sollte – offenbar ist dies nicht standardmäßig der Fall.

Kuba2

in irgendeinem der vielen Cocktails auf Kuba waren möglicherweise kontaminierte Eiswürfel. Kryptosporidien kann man aber auf vielerlei Weise bekommen.

Übertragung
Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch kontaminiertes Wasser, z.B. Trinkwasser, Eiswürfel, aber auch Badewasser in Pools oder Seen. Durch die längere Inkubationszeit kann es sein, dass sich Menschen noch nicht bewusst sind, dass sie Kryptosporidien haben und deshalb noch im selben Pool mit anderen baden.
Auch die fäkal-orale Übertragung (etwa mangelnde Hygiene bei der Nahrungszubereitung) ist möglich.

Therapie
Wenn ihr die Diagnose habt, dann werdet ihr dem Gesundheitsamt gemeldet, da die Krankheit leicht übertragen werden kann und ihr z.B. im gastronomischen Bereich damit nicht arbeiten dürft.
Es gibt keine spezifische Therapie gegen Kryptosporidien, nur eine symptomatische: Flüssigkeit und Elektrolyte zuführen und Schonkost zu sich nehmen, also die Tipps, die ich oben bereits beschrieben habe.
Bei Menschen mit normal funktionierendem Immunsystem beruhigen sich die Symptome normalerweise nach 1-2 Wochen. Bei Säuglingen oder immunsupprimierten Patienten (z.B. AIDS-Kranken) kann dies allerdings wesentlich länger anhalten.
Nach Abklingen der Symptome könnt ihr aber nach wie vor ansteckend sein – der Besuch von Schwimmbädern sollte auf jeden Fall vermieden werden, da die Erreger sich auch über das Wasser verbreiten können und weder Chlor noch die meisten Desinfektionsmittel wirklich helfen. Nur beim Abkochen werden sie sicher abgetötet.
Nach einigen Wochen muss ein erneuter Test durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob noch Kryptosporidien im Stuhl nachgewiesen werden können.

Meine Therapie bestand in erster Linie aus den oben genannten Tipps:
– Schonkost in Form von Kartoffel-Karotten-Suppe und Zwieback
– Trinken, Trinken, Trinken
– Probiotikum zur Stärkung der Darmflora
– Elektrolyte zuführen

zeichen_101_-_gefahrstelle_stvo_1970-svgAuch wenn es gegen Kryptosporidiose keine spezifische Therapie gibt – geht auf jeden Fall zum Arzt. Hinter den Symptomen können sich auch ernsthafte Krankheiten verbergen, die sich nicht von alleine wieder geben und die durchaus medizinisch behandelbar sind, möglicherweise sogar ein Antibiotikum notwendig machen!

Mehr Informationen über Kryptosporidiose bekommt ihr beim Robert Koch Institut.

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