In & um München: Mit dem E-Bike zum Sylvensteinspeicher

In Kooperation mit dem Arabella Brauneck Hotel, Lenggries.

Mein liebstes Fortbewegungsmittel wird tatsächlich dieses Jahr 200 Jahre alt. Genau im Jahr 1817 präsentierte Karl Drais die erste Laufmaschine, damals noch ohne Pedalantrieb.
Und nun, im Jahr 2017, setzte ich mich zum ersten Mal auf ein E-Bike – und zwar auf Einladung des Arabella Brauneck Hotels in Lenggries.

Ich muss gestehen, dass ich zu den Radfahrern gehöre, die etwas verächtlich auf diejenigen herabblickten, die von Motorkraft unterstützt an uns vorbeibrausten. Pff, E-Biker. Die fuhren doch gar nicht selbst! 
Nun sitze ich also auf einem solchen Gefährt! Im Hotel in Lenggries im Isarwinkel haben wir uns zwei E-Bikes für einen Tag geliehen und ich bin neugierig, wie es wohl sein wird, damit zu fahren. Aber etwas skeptisch bin ich doch noch. Würden die anderen Radler, denen wir begegnen nun abschätzig auf uns herabblicken? Wer weiß… 

Von Radlerstolz und Radlerfreuden

Meine Freundin Hanne, mit der ich an diesem Wochenende unterwegs war, kennt keinen verletzten Radlerstolz, sondern ist einfach nur begeistert. Radfahren findet sie an sich ja ganz schön, aber viel zu anstrengend! „Du musst schreiben, dass die E-Bikes super sind!“, trägt sie mir auf. Und nach einer Weile verkündet sie: „Mit sowas kann ich auf eure Radtouren mitkommen!“ Ich rümpfe die Nase. „Nein. Das gilt nicht!“ Und dann ertappt ich mich dabei, wie ich bei jeder Steigung, die ich hinaufradele, ohne sie wirklich zu spüren, denke: Wie das wohl in der Normandie gewesen wäre, wenn wir so ein E-Bike dabei gehabt hätten?

„Du musst schreiben, dass die E-Bikes super sind!“ – Hanne ist hellauf begeistert

Nach ein paar Kilometern, nachdem ich es dann doch endlich gewagt habe, das Höllengerät einzuschalten, finde ich Gefallen an der Spazierfahrt mit dem E-Bike. Wenn man auf der niedrigsten Stufe fährt, dann gibt es nur einen leichten Anstoß und man spürt durchaus noch, dass man etwas tut. Wenn es dann etwas bergauf geht, schaltet man eben nicht einen Gang runter, wie sonst, sondern einfach eine Stufe höher und ohne groß ins Schwitzen zu kommen geht es voran. In der selben Trittfrequenz, mit der selben Mühe. Hat was… kein Herzpumpen, kein Keuchen. Alles ganz entspannt.

Nebeneffekt – ob nun neutral, negativ oder positiv bleibt jedem selbst überlassen – ist, dass man das Gelände auch nicht mehr so intensiv wahrnimmt. Fährt man nun gerade leicht bergauf oder leicht bergab oder ist die Strecke völlig eben? Das ist mit dem E-Bike völlig irrelevant.

Mit dem E-Bike die Isar entlang

Von Lenggries aus fahren wir – mit einem kurzen Abstecher nach Norden Richtung Bad Tölz – zum nicht weit entfernt gelegenen Sylvensteinspeicher.
Gemütlich gehts an der Isar dahin. Dass der Weg tendenziell bergauf führt, schert uns, den E-Bikes sei Dank, nicht. Im Gegenteil: Auf dem Rückweg sind wir tatsächlich  überrascht, wie oft es doch bergab geht. Wir hatten die kleinen, latenten Anstiege auf der Hinfahrt überhaupt nicht bemerkt.

Die Isar ist und bleibt ein pittoresker Fluss. In Grün- und Türkistönen changierend je nach Sonneneinstrahlung, mit einer gewaltigen Strömung und den immer wieder sich ändernden Kiesbetten, ist es die reinste Freude an einem schönen Tag daran entlang zu radeln. In meinem Kopf manifestiert sich mal wieder die Idee, eine mehrtägige Radtour auf dem Isarradweg zu machen.
Neben dem Farbenspiel des Wassers begeistern uns immer wieder die satten Wiesen – übersät von Butterblumen und Löwenzahn, mehr gelb als grün. Dahinter die Bäume mit ihrem jungen, maigrünen Laub. Und ganz im Hintergrund die Berge. Eine Bilderbuchlandschaft und ich würde am liebsten alle paar Meter anhalten, um ein Bild zu schießen.

Nach der gemütlichen Tour sind wir am Ziel.
Anders als als die vielen anderen Seen der Region, wurde der Sylvensteinsee künstlich angelegt. 1954-59 wurde dort zum Zweck des Hochwassserschutzes die Isar gestaut.
An der Stelle des heutigen Sees lag bis zum Bau das Dorf Fall. Der bloße Gedanke an ein versunkenes Dorf, brachte natürlich allerlei Geschichten hervor. So hieß es, bei niedrigem Wasserstand könne man noch immer den Kirchturm von Fall sehen. Widerlegt wurden diese Mythen im Winter 2015, als bei aufgrund von Arbeiten das Wasser abgelassen werden musste. Dabei trat klar zu Tage, dass es keine Gebäude am Grunde des Sees gab, auch keine Kirche mehr. Das Einzige, was es noch zu sehen gibt, sind Grundmauern. (Beweisfotos gibt’s hier bei Bezirzt)
Die Bewohner von Fall wurden übrigens nach Neu-Fall umgesiedelt, das einige Meter höher neu errichtet worden war.

Sylvensteinspeicher

Der Sylvensteinspeicher

So schön der Blick über den See auf die Berge auch ist, so sind wir doch etwas enttäuscht, dass kein Radweg um den See herumführte. Die Straße ist recht stark befahren und deshalb beschließe wir nach einer Weile, doch wieder umzukehren und auf einer Kiesbank an der Isar eine Pause einzulegen. Dort liegen wir in der Sonne, machen Brotzeit und amüsieren uns bei der Beobachtung einer Rafting-Gruppe, die gerade ihre Übungen absolviert. Eine Horde Männer, die durch knietiefes Wasser watet und ob der Strömung mit der Balance kämpft. Ein ziemlich kurzweiliges Schauspiel.

Bevor wir auf dem Rückweg dann doch noch von einem aufziehenden Gewitter eingeholt werden, machen wir in Lenggries noch einen kurzen Abstecher zur Ruine der Hohenburg, deren Überreste im Maigrün fast mehr auszumachen sind, und zum Kalvarienberg. Der 1664 angelegte Kalvarienberg in Lenggries ist nicht so bekannt, wie der Tölzer, deshalb überrascht es, dass er für eben diesen als Vorbild diente. Der Tölzer Kalvarienberg wurde erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt.

Info: Was ist ein Kalvarienberg?
Der Name Kalvarienberg leitet sich von der lateinischen Übersetzung des Berges „Golgota“ ab, des Berges, auf dem Jesus gekreuzigt wurde. In der Vulgata, der  lateinischen Biblelübersetzung, wird der Name als „calvariae locus“, als „des Schädels Ort“ oder „Schädelsstätte“ wiedergegeben.
Kalvarienberge als katholische Andachtsstätten sind vor allem (aber nicht nur) im süddeutsch-österreichischen Raum und in der Bretagne verbreitet. Es handelt sich dabei um häufig überlebensgroße Nachbildungen der Kreuzigungsgruppe – oder ganze kunstvoll an Hügeln oder Bergen angelegte Kapellengruppen, die den Kreuzweg nachbilden und so für den Leidensweg Christi für die Gläubigen erfahrbar machen.

Die Ruine Hohenburg in Lenggries

 

Fazit meiner ersten E-Bike-Tour:

Ich kann gut nachvollziehen, dass Stadt- und Verkehrsplaner inzwischen auf das E-Bike setzen, um den Fahrradverkehr in den Städten zu erhöhen. Egal welchen Alters man ist und (fast) egal wie fit – man kommt zügig ans Ziel und ist dabei weder außer Atem noch verschwitzt. Und dennoch bewegt man sich und ist an der frischen Luft. Sollte ich später einmal Bedenken haben, ob ich in der Lage bin, meine mehrtägigen Radtouren mit Gepäck aus eigener Kraft zu absolvieren, dann ist so ein E-Bike sicher eine Überlegung wert. Wieso soll man schließlich auf das wundervolle Gefühl einer Tour mit dem Drahtesel verzichten, nur weil man nicht mehr die Jüngste oder Fitteste ist?

Aber auch jetzt, wo ich doch körperlich einer Radtour mit dem normalen Fahrrad gewachsen bin, genoss ich die Tour entlang der Isar.
Eines darf man nicht erwarten bei einer Fahrt mit dem E-Bike: sportliche Herausforderung und den Stolz, der damit einhergeht, wenn man die Tour geschafft hat. Aber wofür ein E-Bike auf jeden Fall – auch für eingefleischte Radler wie mich – hervorragend geeignet ist: Gemütliche Spazierfahrten, Genusstouren, bei denen man mit dem Fahrrad einfach durch wunderschöne Landschaft bummeln und den Tag genießen möchte – und dabei auch den ein oder anderen Anstieg nicht umfahren will. Ich bin einem weiteren Ausflug mit dem E-Bike jedenfalls nicht abgeneigt – und meinem Radlerstolz hat es wahrlich auch nicht geschadet 😉

ich mit E-Bike


Transparenzhinweis:

Zu diesem Aufenthalt in Lenggries wurden wir vom Arabella Brauneck Hotel in Lenggries eingeladen, das uns auch die E-Bikes zur Verfügung gestellt hat. Herzlichen Dank dafür.
Die E-Bikes sind auch für andere Gäste nach Verfügbarkeit an der Rezeption zu mieten.


Mit diesem Beitrag nehme ich teil an der Blogparade „Die schönsten Radtouren in Deutschland“ auf Passenger on Earth

8 Gedanken zu “In & um München: Mit dem E-Bike zum Sylvensteinspeicher

  1. Ein wirklich ehrlicher Bericht, und natürlich freut es mich als schon länger e-bike Fahrende, dass sich jemand auf das „Abenteuer e-bike“ einläßt, und es mal (fast ohne Vorbehalte), testet. (Und nachher überzeugt ist, dass auch e-bikes ihre Berechtigung haben). Danke!
    Ulla

    • Danke für deinen Kommentar. Freut mich, dass der Bericht Dir gefallen hat 🙂 So ganz ohne Vorbehalte gings dann halt doch nicht, aber ich bin ja immer bereit, mich überraschen zu lassen 😉

  2. Liebe Ilona,
    danke für’s mitmachen bei meiner Blogparade. Das freut mich sehr!
    Dein Artikel ist toll und hat mir ein breites Lächeln gezaubert. Die Bilder vom Sylvensteinspeicher sind toll. Erinnert mich daran, dass ich schon lange nicht mehr dort war. Klasse Tipp!

    Nachdem ich nur wenige Tage zuvor auch zum ersten Mal mit einem EBike gefahren bin. Da meine Radrunde Allgäu aber eher zu einer absoluten Genusstour ausgeartet ist, war das EBike genau richtig 😊

    Viele Grüße
    Petra

  3. Pingback: Blogparade: Die schönsten Radtouren in Deutschland! - Passenger On Earth

  4. Pingback: In & um München: Drei Tage Auszeit in Lenggries | wandernd

  5. Hey Ilona! Das ist ein echt klasse Artikel über E-Bikes (obwohl der Stolz die Tour geschafft zu haben schon ein cooles Gefühl ist 😀 ) , aber auch über den Isar-Radweg und den Sylvensteinsee. Ich war ja auch schon dort, hätte aber leider nicht so die Zeit mir die Gegend genauer anzusehen.. 🙁
    Immerhin ein Grund nochmal wieder zu kommen!

    Gruß Til

  6. Pingback: Herbst-Wanderung: Vom Starnberger See über Andechs zum Ammersee

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