„Nach Süden flieg ich über’s Meer“ – Meine Traumreise

Was wäre wenn wir einfach unsere Traumreise backen könnten? Es gäbe keine Limits: keine finanziellen, keine zeitlichen, keine gesundheitlichen. Wir könnten sie einfach angehen, ohne uns Gedanken machen zu müssen, ob das denn auch wirklich so möglich wäre. Wie sähe die Traumreise dann aus?

Das ist die Frage, die Janina und Katharina von SOS-Fernweh in ihrer Blogparade stellen. Eine Frage, die wir uns wohl irgendwie selbst schon alle einmal gestellt und die wir uns selbst – konkreter oder eher verschwommen – beantwortet haben.

Nun gut, wie sähe sie nun also aus, meine Traumreise?

Der Zufall will es, dass ich meine Traumreise mir schon recht konkret ausgemalt habe und auch bereits sehr nahe daran war, sie in die Tat umzusetzen – allerdings eine abgespeckte Version. Ich habe bereits einmal darüber geschrieben: 

Ursprünglich hatte ich geplant, mir einen meiner größten Reiseträume zu erfüllen: Ich wollte für mehrere Monate zu Fuß durch Italien reisen.

Da ich zu Beginn des Jahres ohne Arbeit war und die Aussichten, bald einen neuen Job zu finden, schlecht standen, hatte ich mir vorgenommen: Sollte ich bis Ende März keine Stelle finden, würde ich meine Sachen packen und einfach ein paar Monate nach Italien gehen. Das war immer noch besser, als die Zeit abzusitzen und auf ein Wunder zu hoffen – und meinen Italienischkenntnissen würde es auch nicht schaden.

Ich hatte alles geplant: Strecken und Übernachtungsmöglichkeiten herausgesucht, die Ausrüstung zusammengetragen und abgewogen, mit schwerem Rucksack trainiert… Doch das Schicksal wollte es anders – in den letzten Märztagen bekam ich die Zusage und statt durch Italien zog ich also (wieder mal) an die Donau.

Ich weiß nicht, wie oft ich mir in diesem Jahr dachte: „Gerade wäre ich wohl irgendwo in der Toskana/ in der Nähe von Rom/ in Apulien“. Der Reisetraum ist noch nicht begraben – dafür habe ich ihn schon viel zu sehr in meinem Kopf ausgesponnen. Und dafür reizt mich diese Idee v.a. viel zu sehr.

 

Ja, ich bin noch immer etwas melancholisch, wenn ich daran denke, dass ich diese Reise aufgeschoben habe. Andererseits bin ich aber auch froh, denn die Möglichkeit für diese Reise ist nun vielleicht eine ganz andere.
Damals war ich arbeitslos, ich wäre also immer mit der Idee unterwegs gewesen, dass, wenn ich nach Hause komme, die ganze Job-Sucherei wieder losginge.
Ich hätte mit dem Geld wohl recht haushalten müssen uns insgesamt hätte ich mir auch nicht so viel Zeit genommen. Nun habe ich schon die – wenn auch noch inoffizielle – Zusage, dass ein Sabbatical in meinem jetztigen Job durchaus drin wäre. Und so könnte ich mir also vielleicht auch ein ganzes Jahr Zeit nehmen.

Aber hey, darum geht es hier nicht, um logische Überlegungen. Es gibt keine Limits, keine zeitlichen, keine finanziellen. Das war die Vorgabe. Also, wie sähe sie aus, meine Traumreise.

Ponte santa Trinita

Blick auf den Ponte Vecchio in Florenz

Ja, sie würde nicht in ferne Länder führen. Sie würd in mein Traumreiseland, Italien, gehen. Es wäre fast eine klassische Bildungsreise, eine Kavalierstour. Warum nicht weiter weg?, mögt ihr euch fragen. Immerhin gibt es keine Limits. Ich muss mir keine Gedanken über die Kosten machen. Ich kann es euch sagen: Ich will gar nicht weiter weg! Ich will nach Italien, dieses herrliche Land, voll mit Naturschönheit und reicher Architektur, mit Museen, die so viele Kostbarkeiten enthalten, dass sie für mein gesamtes Leben reichen würden. Ich möchte die herrliche italienische Küche schmecken und in der wundervollen melodischen Sprache mich verständigen.

Der Lago Blu im Aostata

Der Lago Blu im Aostatal. Leider war ich hier noch nicht

Ich würde wohl, ähnlich wie damals geplant, ganz im Nordwesten starten, in Aosta oder dort in der Nähe, unweit der schweizer-italienischen Grenze. Und von dort würde ich aufbrechen. Ich würde ganz sicher – wie damals geplant – bis zum südöstlichsten Punkt des italienischen Stiefels reisen, nach Santa Maria di Leuca.

Ich würde durchs Aosta-Tal wandern, durch die Po-Ebene, durch die Toskana und durch Apulien. Ich würde Florenz passieren, Rom, Montecassino, Benevent und Bari. Ich würde durch viele Gegenden und Orte kommen, von denen ich vielleicht – wenn überhaupt – gerade einmal gehört habe. Durch Orte, die ich erst bei der Vorbereitung auf die Reise irgendwo auf der Landkarte entdeckt habe. Und durch solche, die zu klein sind, um darauf überhaupt verzeichnet zu werden. Oder durch solche, in die es mich aus Zufall verschlägt.

Valle dei templi

Im Valle dei Templi bei Agrigento, Sizilien

Anders als damals würde ich aber nicht mehr so viel Wert darauf legen, nach Möglichkeit alles zu Fuß zu machen. Ich würde auch Abstecher mit Zug oder Bus machen und von der Route der Francigena abweichen, denn ich hätte ja alle Zeit, die ich mir wünsche. Ich würde nicht nur nach Apulien fahren, eine Gegend, die ich noch nicht kenne. Sondern genauso nach Calabrien und in die Basilicata – Regionen, die ich nicht nur nicht kenne, sondern zu denen ich auch nicht besonders viele Bilder im Kopf habe.

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Ausblick auf Capri

Ich möchte zudem nicht, wie es Pilger für gewöhnlich tun, jeden Tag woanders übernachten. Ich möchte auch bleiben können. Hier einmal über „Work away“ für Kost & Logis bei der Olivenernte helfen, dort bleiben, um einen Sprachkurs zu machen, in einem Kloster mitarbeiten, wie ich es bereits in Deutschland in Waldsassen getan habe – und vielleicht an einem Wallfahrtsort mithelfen, ein Floh, den mir unsere junge kroatische Tischnachbarin in Lisieux ins Ohr gesetzt hat. Und ich möchte unbedingt den Monte Sant Angelo sehen – besonders jetzt, nachdem ich den Mont St. Michel gesehen habe.

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in Bellaggio am Comer See

Ideengeber: Seume

Ideengeber: Seume

Ich möchte die Schönheit dieses Landes voll in mich aufnehmen können. Ich möchte es von Nord nach Süd und wieder zurück nach Norden durchstreifen. Die Orte besuchen, die ich liebe, und neue Orte finden, in die ich mich verlieben kann. Und dabei mehr als die üblichen ein bis zwei Wochen haben.
Ich möchte die verschiedenen Fortbewegungsarten wählen und ihre Vorteile bewusst genießen können. Soll es schnell gehen, nehme ich die Bahn. Will ich die Landschaft bewusst in mich aufnehmen, gehe ich zu Fuß, wie Seume, durch den ich auf diese Idee überhaupt erst kam.

 

Engelsburg in Rom

Engelsburg in Rom

Vielleicht fahre ich einfach auch mal per Anhalter. Ich möchte mit den Italienern in ihrer herrlichen Sprache reden und täglich bemerken, wie mein Italienisch besser und besser wird. Ich möchte neue Freunde dort finden, die ich in den folgenden Jahren immer wieder besuchen kann. Denn wenn ich eines mit dieser Reise nicht erreichen möchte, dann das: Dass ich glaube, Italien so gut zu kennen, dass ich dort nicht mehr hinbrauche. Denn ich möchte immer wieder zurückkehren!

Ankunft mit dem Nachtzug in Bologna

Ankunft mit dem Nachtzug in Bologna

Und da ich ja hier träumen darf und auf dieser Traumreise nichts unmöglich sein wird, würde ich mir immer, wenn ich mich einsam fühle, einen Freund an die Seite wünschen, mit dem ich teilen kann, was ich gerade erlebe. Immer wieder würde an einer Stelle ein Freund auf mich warten, der eine Weile mit mir weiterreisen wird, bevor er zurückkehrt. Ich wäre auf jeden Fall niemals wirklich einsam.

Und wo wir gerade dabei sind: Wäre es nicht herrlich, wenn ich dabei gewisse Gefahren oder Unsicherheiten, die mit meinem Geschlecht einhergehen, einfach zu Hause lassen könnte? Das würde doch vieles erleichtern.

Mussomeli

Mussomeli auf Sizilien

Mein Reisetraum von der Italiendurchquerung ist nicht begraben. Er ist ausgefeilter, als zuvor. Er ist größer geworden. Und trotzdem ist es ein schöner Gedanke, dass es kein Traum ist, der unerfüllbar weit und groß scheint, sondern den ich wirklich umsetzen kann – und ganz sicher auch werde.

image2

So häng ich denn auf krummem Aste
und schaukle meine Müdigkeit.
Ein Vogel lud mich her zu Gaste,
ein Vogelnest ist’s, drin ich raste.
Wo bin ich doch? Ach, weit! Ach weit!

Das weiße Meer liegt eingeschlafen,
und purpurn steht ein Segel drauf.
Fels, Feigenbäume, Turm und Hafen,
Idylle rings, Geblök von Schafen, –
Unschuld des Südens, nimm mich auf!

Nur Schritt für Schritt – das ist kein Leben,
stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer.
Ich hieß den Wind mich aufwärts heben,
ich lernte mit den Vögeln schweben, –
nach Süden flog ich übers Meer.

(F. Nietzsche: Im Süden)

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18 Gedanken zu “„Nach Süden flieg ich über’s Meer“ – Meine Traumreise

  1. Das klingt wirklich nach einer tollen Reise! Italien ist auch eines meiner Lieblingsländer, leider war ich viel zu lange nicht mehr dort, das sollte sich dringend mal wieder ändern 😉

    Viele Grüße
    Christin

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    • Ja, es gibt einfach so viel dort zu entdecken 🙂 Ich versuche, zumindest einmal im Jahr hin zu kommen, aber meist ists nur kurz. Ich würde einfach gerne mal länger dort sein 🙂

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  2. Liebe Ilona!
    Wir haben dich natürlich nicht vergessen! In dem ganzen Weihnachtsgewusel wollten wir aber keine Hauruck-Aktionen und uns auch für die letzten Beiträge gebührend Zeit zum Lesen und Kommentieren nehmen. Deshalb nutzen wir jetzt die kleine Ruhephase zwischen den Jahren, um auch die Mühen der letzten Teilnehmer unserer Blogparade richtig zu würdigen! 🙂

    Deine Reise nach Italien gefällt uns wirklich richtig gut und es hat Spaß gemacht, den Beitrag gemütlich unter dem Tannenbaum zu lesen 🙂

    Wir nehmen dich gerne in unsere Teilnehmerliste auf. Anfang des kommenden Jahres stellen wir dann die drei Sieger unserer Blogparade in einer Zusammenfassung vor 🙂

    Liebe Grüße

    Janina

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  3. Hallo Ilona. Danke für deinen Anstoß wieder an den uns nahen Süden mit dem unbeschreiblichen Jasminduft zu denken. Ja, dort kann man so viele entdecken, was bei uns in Mitteleuropa schon lange verloren gegangen ist. Ich selbst habe bis zu meiner Pensionierung gewartet um mir diese „Traumreisen Italien“ zu leisten. Ich mache das halt mit Rad und Zelt. Aber egal wohin eine „Traumreise“ gehen soll, man darf keine Sorgen und keinen Termin mittragen. Ich kann nur sagen, im unbekannten Italien, und für einen Mitteleuropäer sind das sicher zwei Drittel der Landesfläche Italiens, kommt man sich vor wie in einer anderen, längst vergangenen Welt. Ich wünsche dir ein gutes Jahr 2016.

    Gefällt 1 Person

    • ach ja, du hast so recht… „Ich kann nur sagen, im unbekannten Italien, und für einen Mitteleuropäer sind das sicher zwei Drittel der Landesfläche Italiens, kommt man sich vor wie in einer anderen, längst vergangenen Welt.“

      Hesse beschrieb das mal als heraufduften von alter Sage und Romfahrt (oder so ähnlich) 🙂

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