#10. D-Day-Feiern an den Landungsstränden. „Where have all the flowers gone?“

                   Dieser Beitrag schlummert schon lange fertig in den Entwürfen. Eigentlich sollten die Normandie-Beiträge chronologisch veröffentlicht werden, aber ich habe das Gefühl, dass ich diesen jetzt schon publizieren muss – in dieser Stimmung, in der wieder vermehrt über Krieg und Frieden, über Notwehr und Terror, über Soldaten, Heldenverehrung, über Pazifismus und Menschlichkeit nachgedacht und gesprochen wird. Denn genau darum geht es auch in diesem Beitrag.
                   Während unserer Normandie-Reise hatten wir das Glück genau während des D-Days an den Landungsstränden zu sein – so wurden wir Zeuge der Befreiungsfeierlichkeiten, des D-Day-Tourismus und es war spannend, zu beobachten, wie diese Themen anderswo gehandhabt werden. Mich haben diese Beobachtungen jedenfalls sehr nachdenklich gemacht.

Mit dem Fahrrad zum Mont St. Michel, Teil 10
Bisher erschienene Artikel:
#1 Mit dem Fahrrad zum Mont St. Michel: 716 km durch die Normandie

#2: Der Weg ist das Ziel – oder so
#3: Normannischen Boden unter den Rädern. Ankunft in Rouen
#4: Verfallene Größe und idyllische Landstraßen. Mit dem Rad durch’s Seinetal
#5: Vom Seinetal an die Blumenküste. Klangvolle Namen, Geisterstädte und saftige Wiesen
#6 Lisieux. Ein fauler Tag mit dem Segen der heiligen Thérèse
#7 Kühe, Käse, Calvados – Mit dem Fahrrad durchs Pays d’Auge
#8 Von Falaise durch die Normannische Schweiz nach Caen
#9 „Urlaub vom Urlaub“ im wunderschönen Bayeux


Lange, gleichmäßige Reihen weißer Grabsteine. „Age 20“ steht auf dem vor mir. „Age 19“ auf dem daneben. „Known unto God“ auf einem Dritten. Der hier liegende Soldat war nicht einmal bekannt. Er starb namenlos. Einer von vielen.
Ich schlucke schwer, haben einen Kloß im Hals.

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Eine englischsprechende Frau mittleren Alters posiert lächelnd vor den Gräbern, lässt sich von ihrem Mann ablichten. Eine Erinnerung an den Urlaub. Dann marschieren sie geschäftig mit einem Plan weiter durch die Reihen.
„Oh! Here are the germans!“, ruft sie. Ja, auch deutsche Soldaten liegen hier begraben. Immerhin im Tode friedlich vereint mit denen, die im Leben ihre Feinde waren. Holub, Kamelsky – so heißen sie. Auch von ihnen viele noch nicht älter als 20 Jahre.

Mir schnürt es die Kehle zu und am liebsten würde ich nur noch heulen. Zwei Dinge gehen mir unablässig durch den Kopf: Zum einen Kästners „Stimmen aus dem Massengrab„:

Da liegen wir, den toten Mund voll Dreck.
Und es kam anders, als wir sterbend dachten.
Wir starben. Doch wir starben ohne Zweck.
Ihr lasst Euch morgen, wie wir gestern, schlachten.

So mahnen darin die Toten des Ersten Weltkrieges. Und wie wahr: Hier liegen sie, die sich genauso haben schlachten lassen. Mit 19 Jahren den angeblichen Heldentod gestorben und geblieben ist von diesem sinnlosen Opfer ein weißer Stein auf den Urlaubsfotos von Touristen.
Das zweite, was mir im Kopf herumgeht, ist „Where have all the flowers gone“

When will they ever learn?

Ich stehe hier auf dem britischen Soldatenfriedhof in Bayeux. Wenig später fahren wir die Landungsstrände entlang, wo dieses entsetzliche Gemetzel stattgefunden hat. Man kann es kaum glauben, wenn man es sieht: weiße Sandstrände, dahinter erstreckt sich eine grüne, flache und sehr dünn besiedelte Landschaft. Idylle pur. Abseits der Straße ist es ruhig, kein Lärm, nichts.
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Man kann sich gar nicht vorstellen, dass hier eine Frontlinie verlaufen ist. Die Zahlen scheinen unwirklich:
3100 Landungsboote brachten 150.000 Soldaten an Land – mit schweren Waffen unter dem Schutz von 1200 Kriegsschiffen und 7500 Flugzeugen.
„Am Abend des D-Day registrierten die Alliierten Verluste von 12.000 Mann, darunter 4400 Tote. Die Zahl der deutschen Verwundeten, Vermissten und Gefallenen wird auf 4000 bis 9000 Mann geschätzt. Im weiteren Verlauf der „Operation Overlord“ sollen bis zur Eroberung von Paris im August 200.000 Deutsche und 70.000 Verbündete ums Leben gekommen sein. In der verwüsteten Normandie starben bis zu 20.000 Zivilisten.“ (Quelle)

Im weiteren Verlauf der „Operation Overlord“ sollen bis zur Eroberung von Paris im August 200.000 Deutsche und 70.000 Verbündete ums Leben gekommen sein. In der verwüsteten Normandie starben bis zu 20.000 Zivilisten

Für eine solch gewaltige Operation ist dieser Landstrich fast schon ideal, so zynisch es klingen mag: Dünn besiedelt, flach – auf dem Weg ins Landesinnere stellte sich den Alliierten nicht viel in den Weg. Zumindest landschaftlich. Der deutsche Widerstand war natürlich da, die Gefechte wurden entsprechend verbittert geführt. Städte wie St. Lô wurden dabei zu 95% zerstört. Auch vom alten Caen ist ja nicht mehr viel zu sehen.
Dass das zwischen diesen beiden Städten gelegene Bayeux die Wochen von 1944 heil überstanden hat, grenzt an ein Wunder.

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Granatentrichter am Point du Hoc

Seit Caen hat die Amerikaner-Dichte immer weiter zugenommen. Ihr Ziel: Utah Beach und der am Omaha-Beach gelegene amerikanische Soldatenfriedhof.
Der D-Day steht kurz bevor. Idealer Zeitpunkt für ein bisschen touristische Heldenverehrung.
Auch wir wollen den amerikanischen Soldatenfriedhof besuchen – und ich muss gestehen: Ich hatte die ganze Zeit Angst davor. Angst vor diesem Friedhof mit seinen 9387 exakt hintereinander aufgestellten weißen Kreuzen. Angst davor, wie ich mich dort fühlen würde, wenn mir doch schon der weitaus kleinere britische Friedhof so zugesetzt hatte. Immerhin: Man verschont uns auf dem amerikanischen Friedhof mit den deprimierenden Altersangaben. Die vielen US-Reisegruppen und Schulklassen scheinen diese Ängste nicht zu haben. Routiniert stapfen sie hinter ihrem Guide her, als würde er sie gerade durch die Altstadt von Rouen führen.
Und die Schüler tun, was Schüler in solchen Situationen tun: Sie lungern lachend auf den Stufen herum.

Die zwei Seiten des Gedenkens

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in der Friedenskapelle von Bayeux

Es gibt zwei Seiten des D-Day-Gedenkens. Die eine, die mir persönlich näher liegt, drückt die Sehnsucht nach Frieden und Völkerverständigung aus. Dazu gehört u.a. die Friedenskapelle in der Kathedrale von Bayeux, wo man – zu meiner Überraschung – nicht nur die Flaggen der Alliierten findet, sondern auch die Deutschlands.
Dazu gehört auch die in der Kirche von St. Mere Eglise in zahlreichen Sprachen gestellte Frage: Was bedeutet für Sie Frieden?

IMG_5376 KopieUnd dann gibt es noch eine andere Seite – und die ist mir unangenehm: eine marktschreierische, hurra-patriotische, die das Leiden von damals als Event für heute verkauft.
Museen, die damit werben, man hätte „the D-Day-Experience“, als sei man live dabei gewesen. Wirklich? Will man dabei gewesen sein? Ob all den Reenactors klar ist, dass der D-Day ein grausames, blutrünstiges Gemetzel war – und nicht nur ein Fotoshooting mit Jeep am Sandstrand oder ein Trip im Bomber im Tiefflug über die Landschaft?
Ich bin froh, als ich lese, dass es den Reenactors verboten ist, Waffen oder Waffenattrappen mit auf den Soldatenfriedhof zu nehmen. Und doch bin ich etwas entsetzt, dass man auf diese Idee überhaupt kommen kann.
Die Idee vom heroischen Soldatentum, die in anderen Ländern so selbstverständlich ist, mutet mir seltsam an. In der Hinsicht bin ich wohl sehr deutsch geprägt. Aber obendrein bin ich auch noch Pazifist. Krieg ist für mich v.a. die sinnlose Verheizung hauptsächlich jüngerer Menschen, nichts Heroisches.

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Natürlich ist mir bewusst, dass die Schlachten 1944 in der Normandie ausnahmsweise tatsächlich als „für das Gute gefochten“ gelten können, dass die Befreiung der Normandie der Auftakt war für die Befreiung Frankreichs und in letzter Konsequenz auch Deutschlands von den Nazis. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie viele weitere Leben sinnlos verheizt worden wären, wäre die Operation des D-Days fehlgeschlagen.
Dennoch stößt mir unreflektierte Kriegs- und Heldenbegeisterung in Form von D-Day-Shirts für Kleinkinder, Ausmalbildern mit Kriegsmotiven und ähnlichen Souvenirs sauer auf.

Als Deutsche unter Feiernden

Hund und Herr

Herr und Hund im D-Day-Look

Je näher wir den Landungsstränden kamen, je näher der 6. Juni rückte, desto seltsamer fühlte ich mich hier, als Deutsche. Dabei gibt mir überhaupt niemand das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Alle sind so freundlich, auch wenn sie wissen, woher wir kommen. Ob sie manchmal denken, dass es für uns als Deutsche hier, um diese Zeit, komisch sein muss? Ich weiß noch nicht einmal, ob es auch für Sabine komisch ist. Für mich ist es das jedenfalls – und auch die völlige Unvoreingenommenheit der Normannen ist es. „Haben Sie schon das Programm für das D-Day-Festival?“, fragt uns die Dame im Tourismusbüro in Bayeux und schiebt noch deutschsprachiges Infomaterial hinterher.
Keine Spur von den Deutschen-hassenden Normannen. Dabei könnte ich es ihnen irgendwie noch nicht einmal verdenken.

Am Vorabend des 6. Juni kommen wir in Carentan an, nur wenige Kilometer vom Utah-Beach entfernt. Wir wollen dort zwei Nächte bleiben, um einen Tag für eine Rundtour über Utah-Beach und St. Mere Eglise zu haben.
Naiv wie wir waren, glaubten wir, wie bisher spontan ein Zimmer suchen zu können. Aber schon bei der Einfahrt merken wir, dass wir die D-Day-Feierlichkeiten gewaltig unterschätzt haben. Es sind eben nicht nur ein paar amerikanische Reisegruppen, sondern auch viele, viele Franzosen reisen an. Alle Schaufenster sind dekoriert, die Straßen beflaggt, Karussells, Buden und Bühnen werden aufgebaut.
Sämtliche Hotels sind ausgebucht – zum Glück, denn so landen wir auf dem wunderschönen Campingplatz „Le Haut Dick„. Ganz Carentan war laut und voller Autos – der Campingplatz liegt etwas abseits direkt am Hafen des Kanals Haut Dick und ist herrlich ruhig. Zudem war der Platzwart sehr freundlich und das Frühstück sehr lecker. Aber das nur nebenbei.

Reenactor

Reenactors am Utah-Beach

Umgeben waren wir auch hier von Franzosen jeden Alters, die in mehr oder weniger authentischen Army Zelten schliefen und ebenso mehr oder weniger authentische Uniformen trugen während sie USA-Fähnchen schwangen. Sogar die Platzwärtin hatte sich ein Stars & Stripes-Tuch leger um die Hüfte gebunden. Das Ganze war irgendwie ein großes Kostümfest.

Würstchenessen für den Weltfrieden

St. Mere Eglise

Der Fallschirmspringer von St. Mere Eglise

Am 6. Juni radelten wir nach St. Mere Eglise, wo wir völlig fassungslos auf das Chaos an der Ortseinfahrt starrten. So viele Menschen wollten die Befreiungsfeier dieses kleinen Ortes besuchen, der dafür berühmt wurde, dass sich der Fallschirm eines amerikanischen Soldaten bei der Landung unglücklich am Kirchturm verhakte. Der Arme musste sich dort totstellen und harrte – regelrecht auf dem Präsentierteller – im wilden Beschuss mehrere Stunden aus. Heute hängt am Kirchturm noch immer eine Puppe als Erinnerung an diesen Vorfall.
Bekannt sind auch die beiden Kirchenfenster: eines zeigt den Heiligen Michael und wurde von amerikanischen Soldaten gestiftet. Das zweite ist eine Stiftung der Bürger von St. Mere Eglise und zeigt Maria als Königin des Friedens – umgeben von Fallschirmspringern.

Das Befreiungsfest bewies uns, dass die D-Day-Feiern nicht nur ein großes Kostümfest, sondern auch eine große Kirmes sind: Eine Dudelsack-Gruppe stampfte über den Kirchplatz, weiter vorne wurde 40s Swing gespielt und kostümierte Menschen tanzten Boogie. Tische und Bänke waren aufgestellt worden, an denen man essen und trinken konnte. So ganz anders als in Deutschland. Kriegsende-Gedenken sind bei uns immer eine todernste Angelegenheit. Hier war es eine Party.
Und so saßen wir, zwei Deutsche, zwischen all den Franzosen, Briten und Amerikanern und aßen Bratwürste im Baguette.
Würstchenessen für den Weltfrieden!

Würstchen für den Weltfrieden

Würstchenessen für den Weltfrieden

Die Parade der Militärfahrzeuge warteten wir nicht mehr ab (lustigerweise kam sie uns bei der Heimfahrt dann sowieso entgegen 😉 ), sondern radelten gen Utah-Beach, wo so gut wie nichts auf das bedeutungsträchtige Datum hindeutete. Hier war es ein gewöhnlicher Sommertag. Und mit einigen französischen Jugendlichen lagen wir in dem Sand, auf dem auf den Tag genau vor 71 Jahren die Amerikaner gelandet waren.

Utah Beach

am Utah-Beach


Noch Reiseliteratur gesucht?*

normandie_219Wie so oft hat uns auch auf dieser Reise ein Reiseführer vom Michael Müller Verlag begleitet.

Ralf Nestmeyer: Normandie
Michael Müller Verlag, 456 Seiten + herausnehmbare Karte (1:500.000), farbig
ISBN 978-3-95654-218-3
3. Auflage 2016


Praktische Infos: Radfahren an den Landungsstränden

Es gibt teilweise Radwege, die aber noch nicht vollständig ausgebaut sind und mitunter im Nirgendwo beginnen und enden. Man schaue sich nur das Stückwerk hier an – obendrein sind die Karten, die das Departement Calvados ausgibt, völlig für den Hugo. Danach fahren lässt sich nicht, da sie viel zu ungenau sind! Deshalb sind wir meist auf der D514 gefahren, was verkehrstechnisch weniger problematisch war, als angenommen. Ich hoffe, dass es in einigen Jahren eine gute, durchgehende Fahrrad-Infrastruktur dort geben wird, denn das Gelände ist gut zu fahren, da es sehr flach ist.

Von Carentan zum Utah-Beach zu gelangen, ist möglich, wenn man der Route nach Cherbourg folgt:
Von Carentan Richtung Norden zu kommen, ist allerdings nicht so angenehm, weil sich die Straßen alle auf zwei verengen – eine Autobahn und eine Bundesstraße, auf der man ein Stück weit fahren muss. Zum Glück aber nicht sehr weit. Bald zweigt man ab und wird über eine schrecklich fahrradunfreundliche Holperpiste geleitet.

Zwischen Utah-Beach und Sainte-Mere-Eglise finden sich zahlreiche der inzwischen wohlbekannten bummeligen Landsträßchen – das Fahren ist hier sehr angenehm.
Sehr schön ließ es sich zurück durch das Marschland Le Grand Vey im Marais du Contentin et du Bessin radeln. Auf einsamen kleinen Sträßchen geht es durch weites, leeres Land dahin – bis wir wieder das Nadelöhr zurück nach Carentan erreichen.

Marschland

Le Grand Vey

Vorsicht bei der Durchfahrung des Kreisverkehrs direkt nach Carentan (Richtung Norden). Es gibt zwar einen Radweg, der Bordstein ist aber nicht abgesenkt. Wer also versucht, die Straße fahrend zu überqueren, findet sich in der unschönen Situation wieder, auf der stark befahrenen Straße stehend absteigen zu müssen. Lieber schiebend überqueren!


Alle bisher erschienenen Artikel über unsere Normandie-Reise:
#1: 716km durch die Normandie
#2: Der Weg ist das Ziel – oder so
#3: Normannischen Boden unter den Rädern. Ankunft in Rouen
#4: Verfallene Größe und idyllische Landstraßen. Mit dem Rad durch’s Seinetal
#5: Vom Seinetal an die Blumenküste. Klangvolle Namen, Geisterstädte und saftige Wiesen
#6 Lisieux. Ein fauler Tag mit dem Segen der heiligen Thérèse
#7 Kühe, Käse, Calvados – Mit dem Fahrrad durchs Pays d’Auge
#8 Von Falaise durch die Normannische Schweiz nach Caen
#9 „Urlaub vom Urlaub“ im wunderschönen Bayeux
#10 D-Day-Feiern an den Landungsstränden. „Where have all the flowers gone?“
#11 Lob der Faulheit

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7 Gedanken zu “#10. D-Day-Feiern an den Landungsstränden. „Where have all the flowers gone?“

  1. ich denke, ich würde mich da ähnlich seltsam fühlen. posieren vor grabsteinen? der hype um eine sache, die soviele menschenleben gekostet hat? gut oder nicht, daraus profit zu machen trifft auch nicht ganz meine vorstellung von ethik.
    für mich ist das alles auch nie ohne die persönliche geschichte zu betrachten. ich frage mich, wie es der generation gehen wird, die niemanden mehr gekannt hat, der persönlich von diesen schrecknissen erzählt hat. wenn man diese dinge nur aus geschichtsbüchern kennt und nie in die augen von menschen gesehen hat, die man von herzen liebt und die nicht nur die großen dinge erzählen, die abstrakte zahl von toten, sondern die kleinen dinge und schicksale, die der krieg mit ihrem leben gemacht hat.

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    • tatsächlich hat mein Großvater nie schreckliche Dinge vom Krieg erzählt. Er wurde mit 16 eingezogen und hatte das Glück – so seltsam es klingt – dass er schnell in Gefangenschaft (in DK ) geriet. Das rettete ihm wohl das Leben, da das Schiff, für das er sonst eingeteilt worden wäre, gesunken ist. Und offenbar ging es ihm in DK auch nicht schlecht.

      Aber ja, ich frage mich manchmal auch, ob es gut ist, wenn eine Gesellschaft zu lange keinen Krieg erlebt hat, weil jede Erinnerung daran, wie furchtbar so etwas ist, verloren geht. Für die Leute an sich ist das sehr gut – aber die Empathie leidet stark darunter (wie man derzeit ja wieder sehen kann „Wieso bleiben die nicht einfach dort und kämpfen im Krieg?“ etc).

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    • schon eigenartig, welche dinge für manche menschen als glücksfälle enden. meinem großvater ist zum glück auch nicht viel passiert, einfach weil er zu jung war. er wurde dann ganz am ende mit 14 jahren eingezogen um irgendwelche gräben zu schaufeln, das war zwar für ihn trotzdem eine hässliche zeit, aber sicher nicht so traumatisch wie für die menschen, die an der front permanent mit tod und sterben konfrontiert waren.

      ist doch eigentlich schlimm, oder? dass eine gesellschaft trotz aller zivilisation das nicht zu schätzen weiß. aber frieden – ich schrieb es unlängst schon einmal – bedeutet nunmal immer auch kompromissbereitschaft und viel, viel arbeit. beides dinge, die in unseren generationen kommt mir vor nicht stark vertreten sind.

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