Meine Lieblingsfarbe: Capri-Blau!

Dass Capri auch als „blaue Insel“ – „Isola azzurra“ bezeichnet wird, habe ich schon einmal gehört. Damit ist auch offenbar nicht nur die berühmte Blaue Grotte gemeint, die ich bei meinem Besuch gar nicht gesehen habe, da die Zeit für diese schöne Insel viel zu kurz war. Jetzt weiß ich aber, warum man Capri die Farbe Blau zuordnet – denn so ein Blau wie dort ist mir bisher noch nicht untergekommen!

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Eine Woche hielten eine Freundin und ich uns insgesamt an der Amalfiküste und am Golf von Neapel auf. Eine schöne Ecke sollte es sein, das war uns beim Blick auf die Bilder schon klar – aber wie schön es dort doch tatsächlich ist, merkt man erst, wenn man selbst da steht und aufs Meer blickt und soweit das Auge reicht sieht man Horizont, Berge, Meer. Und das – zumindest bei gutem Wetter – in allen Blauschattierungen, die man sich vorstellen kann.

Capri1Einen Tag hatten wir für Capri eingeplant. Eigentlich dachte ich, das würde wohl ausreichen für einen Besuch der Blauen Grotte und eine Stippvisite bei den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Aber weit gefehlt…

Nachdem das Boot uns auf die Insel geschaukelt hatte, verwarf ich sofort meine Idee, noch am Hafen in ein anderes Boot umzusteigen, das mich zur Grotte bringen sollte. Von Booten hatte ich fürs Erste genug und ich wollte einfach nur ein paar Schritte gehen und festen Boden unter meinen Füßen spüren (ja, ich bin eine Landratte, es hilft nichts).

Von Capri hatte ich tatsächlich eher wenig Ahnung. Ich hatte aber die leise Vermutung, dass es wohl ein überschätzter Touristenmagnet sein könnte. Ich wusste auch nicht, dass es vom Hafen nach Capri Ort erst einmal gehörig bergauf ging. Uns nervten nur die großen Reisengruppen, die von aufgeregten Reiseleitern in die Funiculare hineinbeordert wurden. Diese Bahn wollten wir jedenfalls nicht nehmen. So viel war klar.
Also wurde gelaufen – zum Glück waren wir bereits gut zu Fuß unterwegs, da wir schon an der Amalfiküste einige Wanderungen über Treppenwege hinter uns gebracht hatten. So war auch der Aufstieg nach Capri Ort kein allzu großes Unterfangen mehr.

Auch dort war trotz der frühen Stunde schon gut was los. Und wir beschlossen uns die Beine doch gleich mal bis zur Villa Jovis zu vertreten – einer römischen Kaiservilla, die der berüchtigte Tiberius am äußersten östlichen Zipfel, hoch auf den Klippen hatte erbauen lassen. Alles mögliche wurde ihm dort nachgesagt und angedichtet: Sadistische Grausamkeiten und exzessive Liebesabenteuer. Wenn ihm jemand nicht mehr genehm war, so das Gerücht, dann ließ er ihn einfach von den Klippen stürzen.
Wie viel Wahrheit daran ist, lässt sich heute so natürlich nicht mehr sagen. Es war schließlich unter den römischen Kaisern nicht unüblich, unliebsame Vorgänger verleumden zu lassen und ihnen allerhand Grausamkeiten anzudichten.

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Der Weg zur Villa Jovis war herrlich. Der Aufstieg dauert etwa eine Stunde und in dieser Zeit marschiert man durch so enge Sträßchen, dass normale Autos dort nicht fahren können – Busse schon gleich gar nicht. Lediglich spezielle, sehr kleine und schmale Gefährte sind dort unterwegs, um Transporte durchzuführen oder Menschen hinaufzubefördern. Wenn sie angerast kommen, empfiehlt es sich, sich flach an die Mauer zu pressen oder aber in einen Winkel auszuweichen.
Ansonsten scheinen die Touristen sich von Capri Ort, dem Hafen und der Blauen Grotte nicht weiter wegzubewegen, wenn sogar auf dem Weg zur Villa Jovis und bei der Villa selbst fast keine anderen waren.

Der Weg bietet herrliche Ausblicke, alle paar Meter ist der Ausblick noch fantastischer als zuvor! Und wenn man dann oben ist, vergisst man alle, die man bisher gesehen hatte – denn der von dort ist unübertroffen.
Kurz vor der Villa wartete ein älterer Mann, der dort extra stand, um die Besucher darauf hinzuweisen, dass sie einmal rechts abbiegen mussten, um von drei Terrassen ihren Blick über Meer, die Halbinsel von Sorrent und die Faraglioni-Felsen von Capri schweifen zu lassen. Ohne den älteren Herren, den man dort postiert hatte (wohl ein etwas einsamer Job), hätten wir das sicher nicht entdeckt und uns wäre wirklich etwas entgangen.
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Die Villa Jovis liegt einzigartig! Zitat meiner Mutter „Die Römer wussten schon, wo’s schön ist!“ Das kann man allerdings sagen! In alle Richtungen öffnet sich der Blick über die Ruinen der Kaiservilla über Insel, Meer und Festland. Der Wind geht sanft und man ist nur noch überwältigt von all den Blauschattierungen, die einem entgegenleuchten.
Ich glaube, ich weiß erst seit ich auf Capri war, was die Italiener mit „Azzurro“ wirklich meinen. Keiner meiner vorherigen Italien-Aufenthalte hat mich auf dieses Blau vorbereitet!

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Nachdem wir die Villa Jovis (Eintritt 2€) besichtigt hatten, entdeckten wir gleich außerhalb des Einganges eine schmale Treppe und das Schild „Villa Lysis“. Na gut, wenn wir schon mal hier sind, gehen wir dort auch hin.
Für diese Treppe ist stabiles Schuhwerk empfehlenswert, wie wir bemerkten. Wir haben es aber auch mit unserem Alltagsschuhwerk bewältigt, zur Villa Lysis zu gelangen. Ein bisschen abenteuerlich ist es allerdings doch. Gut zu Fuß sollte man jedenfalls sein.

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Die Villa Lysis wird auch Villa Fersen genannt – nach ihrem Erbauer Jacques d’Adelswärd-Fersen, einem französischen Adligen, der sich nach dem Absitzen einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe wegen „ungebührlichen Verhaltens gegenüber Minderjährigen“ (konkret wurden ihm homosexuelle Handlungen mit Schuljungen vorgeworfen) 1903 auf Capri niederließ.
In der Villa Lysis lebte er mit seinem Freund Nino Cesarini, bis er sich 1923 mit einer Überdosis Kokain das Leben nahm.

Trotz der eher tragischen Geschichte des Erbauers, ist die Villa Lysis ein herrlicher, verwunschener Ort mit einem fantastischen Blick auf den Hafen von Capri. Auf jeden Fall einen Abstecher wert! Auch hier waren fast keine anderen Besucher – denn Gruppen bleiben (wie oben gesagt) offenbar eher in Capri Ort und bei der Blauen Grotte.

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Nach einem Spaziergang zurück nach Capri Ort, einem späten Mittagessen und einem gemütlichen Bummel mit abschließendem Cappuccino war es dann leider auch schon wieder Zeit, abzufahren. Und so sahen wir doch einen großen Teil der Insel leider nicht.
Ich muss unbedingt einmal wieder kommen und mir für die Insel ein paar Tage Zeit nehmen. Ich bin sicher, sie hat noch viele herrliche, verzaubernde, azzurro-farbene Ecken!

Lesetipp:

Wenn ihr selbst nach Capri (oder Ischia oder Procida) reisen und dort vielleicht auch übernachten möchtet, hat Annik von Le mie foto ein paar sehr nützliche Tipps für die Reisebuchung für euch, die ihr euch unbedingt zu Herzen nehmen solltet.

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Faraglioni

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17 Gedanken zu “Meine Lieblingsfarbe: Capri-Blau!

  1. Hach, ich liebe Capri. Wir waren im Mai ein paar Tage dort. Leider haben wir anschließend den Fehler gemacht und sind noch ein paar Tage in Neapel gewesen… Da habe ich sehnsüchtig an Capri zurück gedacht.

    Ich kann es nur empfehlen, sich mal ein paar Tage Zeit für diese schöne Insel zu nehmen. Ein tolles B&B kann ich dir auch empfehlen. Wenn du magst, dann schau doch mal hier vorbei: http://fernwehundso.de/?s=Capri

    Liebe Grüße
    Jessi

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  2. Pingback: Meine schönsten Fotos 2015 / 2 | wandernd

  3. Ohhhhhhhhh… was für ein toller Bericht zu meiner Trauminsel.. und sowas tu ich mir an, obwohl ich weiß, es dauert, bis wir wieder hinkommen 🙂

    Vielen Dank für den kurzen Ausflug nach Capri mitten im Alltag – und tolle Fotos. Villa Fersen fehlt uns noch, da waren wir, trotz mehrerer Aufenthalte von je einer Woche, bisher noch nicht. Zuviel bietet das kleine Fleckchen Erde..

    Wenn Du noch mal wiederkommst nach Capri und längere Zeit verbringen willst, empfehle ich dir die Zeit Ende September, eher noch Anfang Oktober! Die Tourimassen sind nicht mehr gar so heftig, die Hotelpreise bezahlbar und das Wetter meist immer noch ein Träumchen -auch zum Baden!

    lg,
    Annik

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    • Hast du auch einen Hoteltipp für mich? Die Preise dort sind ja doch eher gesalzen! :-O
      Die Villa Fersen /Villa Lysis ist wunderschön – wir haben uns ja durch Zufall dorthin verirrt. Ursprünglich war die Blaue Grotte geplant. Da waren wir dann gar nicht 😀 Beim nächsten Mal dann. Die Freundin, mit der ich dort war, hat sich genauso verliebt, so dass sie sicher gerne noch mal mit hingeht 😉

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