Melancholische Lebensfreude – Wien im Herbst

Ich gebe es zu: Der Herbst ist mit Abstand meine liebste Jahreszeit. Und für einen Aufenthalt in Wien ist er es erst recht! Wien hat so und so immer etwas Melancholisches und ein bisschen Morgennebel, sich färbende Bäume und fallende Blätter runden dieses Bild ab.
Die Parks und Friedhöfe haben jetzt ihr ganz spezielles Flair, die großartigen Bauten der Kaiserstadt wirken noch einmal ganz eigen. Und obendrein ist es jetzt Zeit für den neuen Wein. Denn das darf man nicht vergessen: Wien ist eine Weinstadt. Und wenn die „Sturmzeit“ beginnt, dann muss man das auch ausnutzen.

Im Herbst zieht wieder der Alltag ein: Die Vorlesungen starten, die Schule beginnt, die letzten kehren aus dem Urlaub zurück und die Touristenmassen lassen wieder nach. Die Stadt gehört wieder mehr den Wienern, als im Sommer.
Nicht selten bescheren September und Oktober noch einmal herrliche sonnige Tage, die allerdings schon frischer und windiger sind, aber zum Wandern und Weintrinken ideal.
Und so ist alles irgendwie eine Mischung aus Melancholie und Lebensfreude und damit eindeutig meine liebste Zeit, um diese Stadt zu besuchen!

Weinberge Gumpoldskirchen2 KopieNeben dem allgemeinen Schwelgen in der melancholischen Schönheit Wiens gibt es natürlich auch für den Herbst ein paar ganz konkrete Tipps, was man unternehmen kann:

Österreichischer Nationalfeiertag

Zum Österreichischen Nationalfeiertag am 26. Oktober ist immer viel geboten. Das Bundesheer präsentiert sich am Heldenplatz, die Vereinigten Bühnen Wien geben gratis Kostproben aus den aktuellen Stücken am Rathausplatz und so weiter. Allerdings wird das Programm gerne mal ein bisschen kurzfristig bekannt gegeben (so ist derzeit noch immer nur das Programm für 2014 zu finden).

Heldenplatz

während des Nationalfeiertages am Heldenplatz

Die lange Nacht der Museen

Jedes Jahr aufs Neue locken die zahlreichen, großen wie kleinen Wiener Museen. Eine Nacht lang können sie alle mit nur einem Ticket besucht werden. Wer allerdings glaubt, während dieser Nacht in Ruhe die Kunstwerke auf sich wirken lassen zu können, irrt sich, denn traditionell ist bei der Langen Nacht der Museen die Hölle los. Trotzdem ist es eine gute Gelegenheit einmal in ein paar Klassiker hineinzuschauen, von denen Wien ja wirklich viele hat. Dabei kann man dann entscheiden, welche Museen man gerne noch einmal genauer besuchen möchte – immerhin beginnt mit dem Herbst ja auch die eigentliche Museums-Saison. Außerdem entdeckt man dank der Langen Nacht der Museen doch immer wieder kleine verborgene Kostbarkeiten und Kuriositäten, die einem sonst möglicherweise entgangen wären.

Buch Wien und Lesefestwoche

Im November gibt es dann was für die Bücherfreunde. Die Internationale Buchmesse Buch Wien und die Lesefestwoche kündigen sich an. Zugegeben: Ich selbst war nie dort. Aber andere Bücherfans haben daran bestimmt ihre Freude – und es lockt auch nicht wenige davon in die Stadt.

Weinberge Gumpoldskirchen

Meine Lieblingsaktivitäten: Wandern und Wein

Eine andere Veranstaltung dagegen habe ich eigentlich jedes Jahr besucht: Die Genussmeile entlang des 1. Wiener Wasserleitungswanderweges. Wasserleitungswanderweg? Ja, richtig gelesen. So nennt sich der Wanderweg, der entlang der Wiener Hochquellleitung durch herrliche Weinberge der Thermenregion führt. Die Genussmeile, oder auch „die längste Schank der Welt“, verläuft zwischen Bad Vöslau und Mödling, ist also bequem von Wien aus mit der Schnellbahn zu erreichen. Dabei passiert sie auch mein mir besonders ans Herz gewachsenes Gumpoldskirchen. Mitten in den Weinbergen schenken Winzer Most, Sturm (= Federweißer) und Wein aus, es gibt Zwetschgenkuchen und belegte Brote. An einem sonnigen Herbsttag der ideale Abschluss – oder Unterbrechung – einer Wanderung.

Gumpoldskirchen

Zwetschgenkuchen und Sturm mit Blick auf Gumpoldskirchen

Wandern und Wein – das sind zwei Komponenten, die man in zahlreichen anderen Veranstaltungen der Wiener Wald Region findet. Einen Überblick gibt es hier. Aber auch, wer sich ohne geplante Veranstaltung aufmacht, kann ohne Probleme diese beiden Dinge miteinander verknüpfen. Und wenn das Wetter in der Ebene und in den angrenzenden Wiener Wald Höhen zu trüb sein sollte für eine Wanderung, so gibt es Gott sei Dank noch immer die nahegelegene Hohe Wand und den Schneeberg, auf denen man mit etwas Glück das graue Wetter im Tal hinter sich lässt und oben in der Sonne sitzen kann.

Hohe Wand1

auf der Hohen Wand im November

Wiener Wiesn

Na gut, ich bin kein Freund der Wiener Wiesn – und der Münchner Wiesn übrigens auch nicht – aber es soll Menschen geben, für es gar nicht zünftig genug zugehen kann. Denen sei der Besuch des Wiener Abklatsches des Münchner Oktoberfestes ans Herz gelegt. Also Dirndl und Lederhosn raus und nix wie hin. Wer’s braucht…

Allerheiligen

„Der Tod, der muss ein Wiener sein“, sang schon Georg Kreisler. Dass die Wiener eine Vorliebe fürs morbide haben, ist kein Geheimnis, besonders kann man das an Allerheiligen merken. Aber wie mir nach einiger Beobachtung klar wurde: Die Vorliebe für Allerheiligen als Familienfest mit gemeinsamen Ausflug zum Friedhof ist keine rein-wienerische Angelegenheit sondern auch in anderen Teilen Österreichs verbreitet. Mir erschien das immer eher makaber, aber in Österreich ist Allerheiligen tatsächlich ein wichtiger Feiertag. Auf dem Radio werden zum Beispiel die Straßenbahnverbindungen zum Zentralfriedhof durchgesagt und nicht wenige meiner Bekannten fuhren für diesen Tag nach Hause zu ihrer Familie. Wer sich an diesem Tag auf den Zentralfriedhof verirrt, wird Zeuge eines gewaltigen Volksauflaufes. Übermäßig besinnlich geht es dabei nicht zu. Es ist eher eine Art gemütlicher Feiertagsausflug.

Zentralfriedhof

Allerheiligen am Zentralfriedhof


 

Dass Wien so und so immer eine Reise wert ist, habe ich wohl schon häufig genug erwähnt. Aber meiner Meinung nach sollte man eine Reise in die österreichische Hauptstadt nach Möglichkeit im Herbst unternehmen – oder, wenn das nicht möglich ist, im Frühling – da die Temperaturen für einen Stadtbummel einfach viel angenehmer sind. Die Touristenmassen haben sich wieder zurückgezogen (was nicht heißt, dass es nicht noch immer viele Touristen in Wien gäbe! Die gibt es zu jeder Zeit!), man kann auch Wien als Weinstadt voll genießen und die Stadt hat ihr ganz besonderes, melancholisches Flair. Wenn ihr mich fragt: Fahrt JETZT nach Wien! Die Stadt ist nie schöner als an einem sonnigen Herbsttag.

Weinberg

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13 Gedanken zu “Melancholische Lebensfreude – Wien im Herbst

  1. 🙂 ich stimme zu! den wasserleitungsweg mag ich übrigens auch sehr gern. und dieses allerheiligenphänomen.. bei mir in der familie hat sich das ja aufgehört, aber als kind war das schon so, dass wir da immer auf den friedhof sind. da meine verwandtschaft in der steiermark und im pinzgau wohnt war das allerdings immer ein gewisses prozedere…

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    • ja, ich war immer sehr verwirrt, dass meine Mitbewohnerin ein schlechtes Gewissen hatte, wenn sie Allerheiligen nicht nach Hause fahren konnte. Für mich war das nie ein Tag, an dem ich unbedingt daheim sein müsste.

      Du hast ja schon mal irgendwo geschrieben, dass der Herbst deine liebste Jahreszeit in Wien ist, wenn ich mich recht erinnere 🙂

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    • ich weiß auch nicht, woher das genau kommt. aber der hang zum makabren und morbiden wird damit schon zusammenhängen. es gibt sicher iregndwelche kulturellen erklärungen dafür 🙂 für mich hat sich das ohnehin erledigt, ich gehe nur auf friedhöfe, auf denen ich niemanden „kenne“ und zum glück wird das akzeptiert.

      ja, das schreibe ich jedes jahr wieder 🙂 und ich freu mich auch heuer, obwohl ich fürchte, dass durch die extrem lange trockenzeit im sommer nicht viel blätter für den herbst übrig bleiben. aber das macht nix. die stimmung liegt in der luft ❤

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    • das tut sie schon eine ganze Weile.. und wenn ich erst mal wieder gesund bin *tralala* (wenn das wörtchen wenn nicht wär… 😉 )

      Friedhöfe besuche ich allgemein sehr gerne, ich mag die friedliche Stimmung dort.

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  2. Wien hat auch eine Buchmesse? So ein Mist XD Die Lange Nacht der Mussen gibt es bei uns auch, aber ich habe mir das von außen angesehen und es wäre für mich zu trublig. Ich brauche Ruhe, wenn ich mir ein Museeum angucke 😛

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    • Ja, das verstehe ich. Ich habe das genutzt, um mir mal bekannte Museen anzusehen, ob mich das, was sie (zur Zeit) haben, überhaupt interessiert. Oder eben für die kleinen, eher unbekannten Museen.

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