Meine „Es war großartig, obwohl es nicht auf meiner Bucketlist stand“-Liste

Sonnenuntergang in der Wüste - check ✓

Sonnenuntergang in der Wüste – check ✓ — ist es das, worum’s hier geht?

Die Sache mit den Bucketlists. Wie konkret muss meine Bucketlist eigentlich sein? Und was zählt eigentlich das, was man bereits getan hat, bevor man beginnt, seine Bucketlist zu schreiben? Wäre es nicht an der Zeit für eine „Reverse Bucketlist“, für eine Zwischenbilanz all der tollen Dinge, die man sich zwar nie vorgenommen, die man aber dennoch getan hat?

Ich glaube, wir alle haben schon einmal eine Bucketlist erstellt, ob in Gedanken oder auf Papier. Die Löffelliste – wie man diese Lebens-To-Do-Liste auf deutsch auch nennt – beinhaltet all die Dinge, die man getan haben möchte, bevor man den Löffel abgibt. Natürlich habe auch ich mich einmal hingesetzt und meine Liste geschrieben. Neben allgemeinen Dingen wie „eine dritte Fremdsprache lernen“ und „Backgammon spielen lernen“ enthält sie natürlich auch viele Punkte zum Thema Reisen:

  • Freiwilligenarbeit im Ausland
  • den Taj Mahal sehen
  • die Nordlichter sehen
  • die Milchstraße sehen
  • einige Monate in Italien leben
  • selbstorganisiert – also ohne Reisegruppe – durch ein „exotisches“ Land reisen
  • mit dem Fahrrad zum Mont St. Michel
  • durch Italien wandern
  • in türkisblauem Meer schwimmen
  • Sonnenauf- und untergang in der Wüste
  • durch die Mongolei fahren
  • Loi Krathong in Thailand
  • auf der chinesischen Mauer stehen
  • Sibiren (Baikalsee, Altai)
  • nachts im Meer bzw. einem See oder Fluss baden
  • eine Safari in Afrika machen
  • die Galapagosinseln besuchen
  • Kuba besuchen

und dann gibt es noch den sehr allgemein gefassten Punkt:

  • die Welt sehen

Eigentlich ist das der Wichtigste, denn wenn mich jemand fragte, was ich getan haben möchte, bevor ich sterbe, würde ich antworten: Ich möchte die Welt gesehen haben! Und die Welt ist irgendwie zu groß für meine Bucketlist. Es gibt so viele Dinge, die ich gesehen und getan haben möchte und die trotz allem nicht auf meiner Bucketlist stehen: die Amalfiküste, Pompeii und Apulien etwa, die Provence zur Lavendelblüte und und und… Muss ich all diese Punkte auf meine Liste setzen, jede einzelne Stadt, jede Region und jeden Landstrich, den ich gerne mal sehen würde? Und muss ich diese – wahrscheinlich dann 20 Seiten umfassende Liste – eigentlich dann abarbeiten, um ein „erfülltes Leben“ zu haben? Sollte nicht eigentlich auch „sich nicht stressen und selbst unter Druck setzen“ mit drauf stehen? Oder ist meine Bucketlist nicht vielmehr eine Ideensammlung, mit Dingen, die ich mich interessieren und reizen und die ich doch mal machen könnte – und von denen ich mir ganz entspannt eines aussuche, wenn mir gerade danach ist? Sind wir doch mal ehrlich: Wieviele tolle Dinge haben wir nicht schon getan und erlebt, die wir zuvor nicht geplant hatten, an die wir vielleicht nicht mal beim Erstellen einer Bucketlist gedacht hätten? Weder Usbekistan noch Marokko gehörten zu den Ländern, von denen ich mir schon immer gedacht hätte, dass ich sie un-be-dingt mal besuchen muss. Beide Ideen kamen eher spontan. Sowie der Entschluss, nach London zu fahren, auch wirklich von einer Sekunde auf die andere gefasst wurde. Tatsächlich bin ich letztendlich sogar deshalb nach Usbekistan gefahren, weil ich nie auch nur einen Gedanken an dieses Land verschwendet hatte – und wenn ich mir heute die Bilder ansehe kann ich noch immer nicht glauben, dass ich wirklich dort war! Bestünde also die Gefahr, etwas Großartiges zu verpassen, wenn man eine allzu konkrete Bucketlist stur abarbeitet?

Die Idee einer Reverse Bucketlist

Wenn man eine Bucketlist erstellt, liest man auch die Listen anderer. Manchmal merkt man dann auch, dass man einiges von dem, was sich andere vornehmen schon längst – oft ganz selbstverständlich – erledigt hat. Anderes hat sich einfach so ergeben und blieb unvergesslich. Im Internet stieß ich einmal auf die Idee einer „Reverse Bucketlist“ und die berechtigte Frage, ob das, was man vor dem Erstellen seiner Bucketlist getan hat, überhaupt noch eine Rolle spielt. Wäre es nicht einmal an der Zeit für eine Zwischenbilanz all der tollen Dinge, die man sich zwar nie vorgenommen, aber dennoch getan hat? Die großartig waren, obwohl man sie hinterher nicht von einer Liste streichen konnte?

Ritt auf dem Rücken eines Dromedars am Erg Chebbi

Ritt auf dem Rücken eines Dromedars am Erg Chebbi

Ich fange an und ihr dürft weitermachen. Falls ihr auch schon darüber geschrieben habt: Immer her mit den Links! Hier also meine „Es war großartig, obwohl es nicht auf meiner Bucketlist stand“-Liste:

Nachtrag: Gerade habe ich auf marastix.com eine Blog-Parade zum Thema „Dankbarkeit“ entdeckt. Mein Artikel passt hier dazu, wie ich glaube. Es scheint, sie und ich haben uns zu ähnlicher  Zeit ähnliche Gedanken gemacht. Sie schreibt:

Die Art von Sehnsucht, von der ich hier spreche, kommt von einer unerfüllten Erwartung. Sie entsteht dann, wenn wir bestimmte Vorstellungen haben, wie unser Leben sein soll. Vielleicht hätten wir gerne mehr Erfolg, mehr Geld oder mehr Abenteuer in unserm Leben. Oder vielleicht mehr Liebe oder einen anderen Partner oder überhaupt einen Partner. Und dann fangen wir an zu wünschen: Wenn ich nur mehr Geld verdienen würde, dann wäre mein Leben perfekt. Oder wenn ich nur den richtigen Partner finden würde, dann wäre ich endlich glücklich. [Anm: Oder wenn ich nur mehr auf meiner Bucketlist abhaken könnte] (…)  Wenn wir in die Dankbarkeit für das gehen, was wir schon haben, dann erzeugen wir damit einen Zustand der Erfüllung und Fülle. Alles ist schon da!

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31 Gedanken zu “Meine „Es war großartig, obwohl es nicht auf meiner Bucketlist stand“-Liste

    • Ach, das glaubst du nur jetzt. Sobald du dich mal dran setzt, fällt dir wahrscheinlich auch – so wie mir – überraschend viel ein. Ich habe diesen Beitrag hier schon mehrfach bearbeitet, weil mir immer noch etwas in den Sinn kam, das ich hinzufügen wollte 🙂

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    • Ich war auch erst zwei Mal an exotischen Orten. Bis 2013 war ich aus Europa noch nicht rausgekommen. Und die meisten Dinge auf meiner Reverse Bucketlist sind ja auch an sich nicht exotisch. Man kann so viel Grandioses erleben, ohne weit wegfahren zu müssen 🙂

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    • kann ich gut nachvollziehen. Ich war auch sehr aufgeregt, aber dann doch positiv überrascht, dass man sich bei der Reise gar nicht so viel „wagen“ musste. Die Usbeken waren so unglaublich herzlich und freundlich, die Reise selbst sehr gut organisiert und ich fühlte mich immer sicher. Das größte Manko ist wirklich das Essen – zumindest für uns Touristen.

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    • das kann ich mir vorstellen. für mich ist das sowieso ein großes thema, weil ich einerseits heikel bin, andererseits aber auch ein wenig auf meinen magen aufpassen muss, der nicht so hart im nehmen ist. man unterschätzt das oft, dass in solchen ländern die bevölkerung ganz anders ist als in touristisch erschlossenen. ich finde trotzdem, dass man da eine gewisse hemmschwelle hat.

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    • Ich kenne das. Mein Magen ist leider auch sehr empfindlich 😦 das verdirbt einem so manches dann leider recht schnell.
      Solltest Du dich irgendwann zu einer Reise in diese Ecke der Welt entscheiden, halt dich einfach an meine „Überlebenstipps“ im Usbekistan-Bericht 😉

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  1. Hey Ilona,
    spannendes Konzept und die Idee gefällt mir gut. Mal schauen, vielleicht mache ich auch mal eine Reverse-Bucketlist. Passt dann ja doch wieder zu meinem Ergebnis, dass eine Bucket List (für mich) eher den Zweck eines Fotoalbums hat als einer Checkliste. Da kommt ja auch nicht nur das rein, was man vorher geplant hat.
    Übrigens steht mein Punkt 21. auch auf deiner Liste. Das hätte mich zwar nicht überraschen sollen, find ich aber trotzdem toll!=)
    Viele Grüße=)

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    • Ja, die meisten Menschen zieht es doch v.a. weit weg. Für mich ist halt Italien das Land der Sehnsucht ❤

      Ja, deine Gedanken zur Bucketlist passten durchaus zu meinen Gedanken, auch wenn ich halt unter der eigentlichen Bucketlist etwas anderes verstanden habe, als die Dinge, die ich *nicht* geplant habe. Eben Dinge, die ich plane und mir schon lange gewünscht habe.

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  2. Oh was für eine schöne Idee. Die werde ich auch bald mal aufgreifen. Ich habe zwar keine schriftliche Bucket List (nur 2,3 Träume im Kopf), aber mir ist es schon oft aufgefallen, beim Lesen fremder Bucket Listen, dass ich viele schöne Dinge schon erlebt habe.
    Zudem waren die schönsten Dinge meist wirklich überraschende. Zum Beispiel das Grillen von Würstchen am Lagerfeuer im noch recht kühlen Helsinki. Türkischen Tee in Istanbul trinken auf einem Wahnsinnspanaroma Punkt. Das Beobachten von Kolibris und Meeresschildkröten. Das Besuchen der Wellblechhütte unseres kambodschanischen Tuktuk Fahrers. Frisch gegrillte Sprotten und Lachs im Hafen von Helsinki bei schönstem Sonnenschein essen.

    Das waren ein paar meiner schönsten Urlaubsaugenblicke.

    Dahin gegen habe ich auch oft schon einmal was gemacht von „typischen“ Bucketlisten, z.B. auf den Sonnenaufgang beim Angkor Wat Tempel warten. – Zusammen mit hundert Anderen.
    War zwar schön, aber nicht so individuell und berührend wie so viele andere ungeplante Augenblicke im Leben.

    In diesem Sinne: Liebe Grüße Janine

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  5. Coole Idee mit der Reverse Bucket List 🙂 Über Usbekistan bin ich auch zufällig gestolpert, aber habe es wieder für mich im Moment verworfen, denn ich würde gern allein hinfahren, ist ja leider nicht. Aber spannendes Ziel, toll, dass Du da warst, auch wenn das Essen mau war 😉

    Liebe Grüße,
    Ivana

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    • Ich habe dort einige Leute getroffen, die das privat organisiert habe. Allerdings habe ich sie fast jeden tag getroffen – sie hatten nämlich einfach genau die gleiche Route wie wir 😀 Von daher würd ich sagen: Spar dir den Stress, es gibt einfach ein paar Highlights, die man sehen muss … und die sieht man so oder so 😀
      Schiebs nicht weiter auf. Usbekistan gehört wohl zu den wenigen Orten, die noch nicht vom Massentourismus überrannt wurden 😉

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  9. Das Thema Bucketlist ist etwas, woran ich mich auch immer wieder reibe. Ich persönlich will gar keine führen, da ich auch fürchte, dass es zu einem reinen „Abhaken“ ausartet. Bei manchen Leuten kam es mir jedenfalls in Gesprächen so vor. Allein das Wort „Bucketlist“ hat so was nüchternes, als ginge es um ein Punktesystem, nach dem Motto: Lebensziel erfüllt!. Ich spreche lieber von „Lebensträumen“, das klingt für mich irgendwie poetischer 🙂 Und Du hast recht: man muss mehr schätzen was man schon hat. Vieles was auf Deiner Bucketlist steht habe ich zum Beispiel schon gemacht und es kam mir gar nicht soooo besonders vor. Dagegen träume ich seit Jahren heimlich von Usbekistan! Und Wien war von klein auf meine Lieblingsstadt. Habe mir immer ausgemalt dort mal zu leben….Hach ja. Und dann wären da eben noch die Sachen, die man nie auf eine Bucketlist gesetzt hat und die einen unerwartet erfüllen. Bei mir ist das Spanisch. Ich habe mich nie besonders für den Spanisch sprachigen Kulturraum interessiert. Die Sprache wollte ich daher überhaupt nie lernen, fand sie nicht mal schön. Durch meinen Mann, der sich sehr für Spanien und Südamerika begeistert, bin ich dann drauf gekommen. Jetzt lerne ich seit einem Jahr Spanisch und es ist mein liebstes Hobby und macht mich total glücklich. Hätte ich nie gedacht 🙂

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    • danke 🙂 stimmt ja auch! Die Welt ist zu groß für mein kleines Hirn, für meine Vorstellungskraft. Ich kann mir doch nicht jetzt schon vorstellen, was ich alles mal gemacht haben will – von den meisten Sachen weiß ich doch noch gar nichts

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  10. illona, du hast recht!
    Ich hab zwar meine Löffelliste, die ständig an neue Gegebenheiten angepasst wird. Dennoch stehen viele Dinge nicht darauf – und taten es auch nie – die einfach großartig waren. Und diese erfüllen mich immer wieder mit Dankbarkeit. So kann ich meine Löffellist zusammenfassen: Weiterhin tolle Reisen mit meinem Liebsten zu machen, mit meinen Kindern gut verbunden zu sein, iür meine Enkel da sein… Wie genau das geht, weiß das Universum schon.
    Guter Artikel jedenfalls, danke
    Liebe Grüße Steffi

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