Usbekistan – 1001 Nacht an der Seidenstraße

Studienreise nach Usbekistan im Mai 2013
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Warum Usbekistan?

Eigentlich weiß ich es gar nicht so genau, wie es dazu kam, dass meine erste Fernreise nach Usbekistan ging. Auch die Teilnehmer der Gruppe sowie der Reiseleiter waren etwas überrascht über diese Wahl – und wie der Guide es sagte: Normalerweise fahren die Leute nach Usbekistan, die überall sonst schon waren und sich jetzt fragen, wo sie denn noch hinfahren könnten.

Ein Jahr zuvor hatte ich einen Roman gelesen, der im Altai-Gebirge, in Sibirien, spielt. Die Idee von Zentralasien hatte sich in meinen Kopf festgesetzt und als es dann zur Debatte stand, eine Studienreise zu buchen, schaute ich zuerst einmal nach Reisen ins Altaigebirge. Das war nicht so einfach und auf der Suche nach weiteren potentiellen Reisezielen landete ich bei Usbekistan.

Usbekistan? Was wusste ich über Usbekistan? Es gehörte mal zur Sowjetunion. Und sonst? Nichts! Gar nichts! Nicht einmal ein Klischee über dieses Land oder sein Volk entstand in meinem Kopf. Ich wusste über das Land einfach nichts. Also wurde gebucht. Und da ich nicht viele Erwartungen hatte – außer der Erwartung nach 1001 Nacht, denn die Bilder im Internet sahen sehr danach aus – konnten sie auch nicht wirklich enttäuscht werden.

Sightseeing

Usbekistan ist von der Landschaft eher karg. Abgesehen von der Fahrt durch die Berge ins Fergana-Tal, die wirklich atemberaubend war.

Buchara

Buchara – Medresa Mir-i-Arab

Umso grandioser sind die archetektonischen Schätze, die man zu sehen bekommt (mehr Bilder findet ihr  hier) Wir haben wohl die klassische Route genommen, starteten im mordernen Tashkent, der Hauptstadt des Landes, flogen dann nach Chiwa. Von dort ging es weiter über Buchara, Shaxrisabz und Samarkand wieder zurück nach Tashkent – und von dort ins Fergana-Tal.
Mit dieser Route gab es eine kontinuierliche Steigerung an architektonischer Großartigkeit. Chiwa ist ein wunderschönes Städtchen, das keinerlei motorisierten Verkehr innerhalb der Stadtmauern hat – aber dennoch voll Lärm und Trubel aufgrund der vielen – hauptsächlich usbekischen – Menschen ist. Chiwa, genauso wie Buchara, zeigte eine intakte Altstadt, die einen wirklich in eine andere Zeit versetzt. In Samarkand dagegen sind die alten Schätze in die moderne Stadt sozusagen „eingestreut“.

Architektonisch war aber sicherlich Shah-i-Zinda, die Gräberstraße in Samarkand, der Höhepunkt der Reise. Die Kameras glühten, als wir vollkommen überwältigt durch diese Straße mit den kleinen Moscheen und Mausoleen taumelten und all die Eindrücke und Farben gar nicht aufnehmen konnten. Wenn ich mir heute die Bilder anschaue, dann kann ich immer noch nicht glauben, dass ich das wirklich sehen durfte!

Samarkand4

Land & Leute

Noch nie habe ich so freundliche, herzliche und offene Menschen getroffen.  Die Usbeken kamen sofort auf uns zu und wollten mit uns reden – auch wenn sie häufig weder deutsch noch englisch und wir weder usbekisch noch russisch beherrschten. Kommuniziert wurde eben mit Händen und Füßen oder, wenn wir in der Gruppe waren, über den Reiseleiter. Wenn sie erfuhren, dass wir aus Deutschland kamen, zählten sie uns gleich alles auf, was sie über unser Land wussten: Berlin, Hamburg, Bayern München, Borussia Dortmund… Eigentlich etwas peinlich, wenn man bedenkt, dass ich vor meiner ersten Recherche noch nicht einmal gewusst hatte, dass Samarkand in Usbekistan liegt.

Usbekin

Reisende Usbekinnen sind keine Seltenheit

Außerdem waren die Usbeken ganz versessen darauf, photographiert zu werden. Wenn man sie freundlich fragte, stimmten sie fast immer begeistert zu und setzten sich in Position. Die reisenden Usbeken, die wir trafen, fragten auch uns, ob sie sich mit uns photographieren lassen dürften. Und als wir einmal an einem Brotmarkt hielten, kamen wir gar nicht wieder weg, weil alle Brotverkäuferinnen unbedingt abgelichtet werden wollten. Und nein, die Usbeken verlangten dafür kein Geld. Sie wollten einfach nur photographiert werden.

In Samarkand trafen wir auch ein paar Schüler, die sich am Registan aufhielten, um sich mit den Touristen zu unterhalten und Englisch zu üben. Sie fragten ein bisschen nach unseren Heimatländern und nach ein paar Minuten verabschiedeten sie sich höflich und gingen wieder.

Das Essen -Überlebenstipps für empfindliche Mägen

das gute usbekische Fladenbrot - meine Hauptmahlzeit

das gute usbekische Fladenbrot – meine Hauptmahlzeit

Das einzige Manko auf dieser Reise war das Essen. Kurz gesagt: Es war fuchtbar. Ich könnte nicht einmal sagen, was furchtbar war, denn die Zutaten wirkten eigentlich relativ „gewöhnlich“. Wohl war es die Zubereitung und die Gewürze, die mir konstant den Magen umdrehten, sobald ich versuchte, etwas zu essen. Selbst das erste Abendessen, das noch recht Europäer-freundlich war, vertrug ich nicht. Es war allerdings stark mit Koriander gewürzt und später las ich, dass manche Mägen Koriander einfach nicht vertragen. Vielleicht gehört meiner ja einfach dazu? Ich war allerdings nicht alleine, denn nach und nach quälte sich fast jeder auf dieser Reise mit Durchfall oder Übelkeit. Ein Gutes hatte es, dass mich gleich die erste Mahlzeit flachlegte: Ich war von da an so übervorsichtig mit dem Essen, dass ich den Rest der Reise ziemlich gut überstand und jetzt das Gefühl habe, alles überleben zu können, was mein Reiseleben noch an kulinarischen Absurditäten bereithält.

Meine Mahlzeiten bestanden aus dem guten usbekischen Fladenbrot, meist etwas gesalzen. Wenn wir in einem Lokal aßen, bestellte ich dazu „Caka“ (sprich: Tschaka), eine quarkähnliche Speise, die schnell aufgrund ihrer Magenfreundlichkeit zur Lieblingsspeise der Gruppe wurde. Ansonsten deckte ich mich mit zwei Schweizerinnen, die ich auf der Reise kennen lernte, auf dem Basar mit Tomaten und Gurken ein, die wir schälten und auf die Brote legten und salzten. Einfach, lecker und überaus magenfreundlich. Schade war es schon, dass ich meiner Neugierde auf neue Speisen nicht nachgehen konnte, aber manchmal muss man halt Kompromisse eingehen.

Als Frau in Usbekistan

Oft waren wir natürlich in der Gruppe unterwegs, was einem automatisch einen gewissen Schutz bietet. Allerdings wäre dieser Schutz wohl nicht wirklich nötig gewesen, da die Usbeken unglaublich freundlich und höflich waren. Auch wenn wir alleine oder zu zweit oder dritt unterwegs waren, gab es keine Probleme. Lediglich einmal hatten wir ein „unschönes“ Erlebnis: Wir waren zu zweit abends in Samarkand unterwegs, um noch ein paar Nachtfotos zu machen, als ein Betrunkener – der einzige Betrunkene, den ich auf dieser Reise gesehen habe – uns ansprach. Meine Begleiterin hatte sehr lange, strohblonde Haare, die natürlich sofort sein Interesse weckten und er versuchte mehrmals die Haare anzufassen. Sie stieß ihn von sich und sofort kamen uns zwei usbekische Frauen und ein Mann zu Hilfe und redeten auf den Betrunkenen ein, er solle uns in Ruhe lassen. Das war auch schon der gesamte Vorfall.

Auch die usbekischen Frauen bewegten sich überraschend frei. Mehrmals trafen wir Reisegruppen, die ausschließlich aus Usbekinnen bestanden, die eine Tour durch ihr Land machten, um seine Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

Ich persönlich würde trotzdem nicht alleine durch Usbekistan reisen wollen – schon gar nicht ohne Russisch- bzw. Usbekischkenntnisse. Gecancellte Inlandsflüge, häufige Polizeisperren, da nach von Afghanistan kommenden Drogenschmugglern gefahndet wird, durch die ein Reisebus voller Touristen zwar durch kommt, aber private Autos bei weitem nicht immer. Zudem sollte man nicht vergessen, dass Usbekistan als eine der schärfsten Diktaturen gilt, in der etwa Lehrer und Studenten auf Baumwollfeldern unentgeltlich Zwangsarbeit verrichten müssen. Als Tourist merkte ich davon nicht viel – man merkt, dass es sauber ist, dass man keine Alkoholiker oder Drogenabhängigen zu Gesicht bekommt (außer einer Ausnahme, siehe oben). Und man bemerkt die enorme Polizeipräsenz. Dennoch weiß man – gerade, wenn alles so „normal“ wirkt – doch nie, wann man etwas Falsches tut. So ist es etwa verboten, bei der Baumwollernte mit einem Reisebus an den Feldern anzuhalten. Reiseleiter und Busfahrer gefährden sonst ihre Konzession. Und Karimov erscheint sowieso immer wieder einmal, ob auf Teppichen oder Plakaten.

Fazit:

Usbekistan ist auf jedenfall eine Reise wert. Ein Land, das abseits der üblichen Touristen-Ströme liegt und unglaublich viel zu bieten hat: Anblicke, die man so schnell nicht vergisst, eine reiche Geschichte und ein unglaublich freundliches, offenes Volk. Nur beim Essen muss man Abstriche machen, aber mit oben genannten „Überlebens-Tipps“ ist das kein Problem.

Hier gibt es Bilder

Nachtrag: Da ich häufiger gefragt wurde: Ich war bei dieser Reise mit Studiosus unterwegs.

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12 Gedanken zu “Usbekistan – 1001 Nacht an der Seidenstraße

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  4. Wir werden wohl den Versuch starten ohne Gruppenreise Usbekistan zu erkunden. 🙂
    Zumindest habe ich eine usbekische Freundin, die hier in Berlin wohnt und uns noch ein bißchen Hilfestellung geben kann.

    Hätte ich diese Freundin nicht, wüsste ich auch nicht wirklich viel über Usbekistan. Deine Fotos haben mich jedenfalls total überrascht. Richtig schön!!!

    Ich hoffe nur das wir das Essen vertragen werden. 😉 Demnächst kocht unsere freundin aber usbekisch für uns. Dann können wir das mal antesten. 🙂

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    • Naja, wenn du Koriander verträgst, ist wohl vieles schon einfacher. Obwohl es fast jedem mal dreckig ging auf dieser Tour 😀
      Bin gespannt, was ihr sagt. Wie soll denn Route aussehen?

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  8. Über Usbekistan haben wir auch schon mal kurz nachgedacht. Dein Artikel und die schönen Fotos bestätigen, dass es ein lohnenswertes Ziel ist. Gefällt mir sehr gut! In China hatten wir das übrigens auch, dass sich die Leute oft mit uns fotografieren lassen wollten. Vor allem der Mann musste herhalten, wahrscheinlich weil er recht groß ist und helle Haare hat. Ein Mal sind wir auf eine kleine Reisegruppe getroffen und die wollten gar nicht mehr aufhören. Das war ein mega Spektakel für die Leute und wir hatten auch unseren Spaß. Liebe Grüße Lu

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  9. Schöner Bericht! Ich schreibe gerade auch an meinem Reisebericht zur Seidenstraßen-Reise, die allerdings schon 10 Jahre zurück liegt. Ich habe damals das Essen halbwegs gut vertragen, ziehe in Fällen von Übelkeit und Durchfall vor, meine Innereien mit Imodium zu beruhigen als auf das Essen zu verzichten. Und das Essen war sehr lecker!
    Ich träume immer noch davon, mal auf eigene Faust nach Usbekistan zu reisen. Mla sehen!
    Beste Grüße
    Ulrike

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    • Naja, bei Erbrechen hilft Immodium nicht wirklich … und warum soll ich meinen Körper quälen mit Sachen, die mir den Magen umdrehen (wie Koriander)? Da faste ich lieber 😉 Bin ja nicht verhungert.

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